Erstellt am 04. April 2013, 18:55

Ex-Begas-Vorstand Simandl festgenommen. Ex-Begas-Vorstand Rudolf Simandl sei Mittwochabend in Graz wegen Flucht-, Verdunkelungs- und Tatbegehungsgefahr festgenommen worden.

Angeschlagen: Rudolf Simandl kann laut Gutachten erst in Monaten einvernommen werden.  |  NOEN, Foto: BVZ
Er sei Mitte der Vorwoche krankheitsbedingt nicht zu einer Befragung bei der Korruptionsstaatsanwaltschaft erschienen. Am Freitag werde der Haftrichter über die Verhängung der Untersuchungshaft entscheidet. Sein Anwalt Roland Kier sagt hingegen, es gebe "keinen einzigen Haftgrund". 

Vorwürfe gegen Simandl gibt es seit einem Jahr. Unter anderem, weil er in Liechtenstein Ende 2011 ein Vermögen von 14 Mio. Euro angehäuft hatte, dessen Entstehen Simandl selber auf "Veranlagungserfolge" mit Gold zurückführt. Davon soll aber nur mehr ein Teil vorhanden sein.

Mitte März zahlte dann die Baufirma Ortner 2,6 Mio. Euro an die Begas und begründete dies damit, dass sie in der Vergangenheit hohe Bargeldbeträge an Simandl übergeben habe und nun nicht ausschließen könne, dass Simandl dieses Geld nicht für Begas-Projekte verwendet, sondern selbst eingesteckt habe. Da man nie die Absicht gehabt habe, an derartigen Malversationen mitzuwirken, zahle man das Geld nun zurück, um die Begas schadlos zu halten.

Zahlreiche Vorwürfe

Ein weiterer Vorwurf, wegen dem ermittelt wird, betrifft einen burgenländischen Autohändler. Simandl soll von ihm einen Pkw im Wert von rund 40.000 Euro zur Privatbenutzung erhalten haben. Bezahlt worden sei vom Ex-Begas-Chef jedoch nicht mit Geld - sondern in Form von Gas-Gutscheinen.

Vier Gastronomen wieder sind im Visier der Staatsanwaltschaft, weil sie Simandl Restaurant-Gutscheine ausgestellt haben, die er dann privat konsumiert habe. Die Rechnungen sollen aber mit erfundenen Rechnungstexten an die Begas gegangen und vom Gasversorger auch bezahlt worden sein.

Die Grünen haben Simandl vorgeworfen, bei der Vergabe eines Auftrages an einen Zivilingenieur überhöhte Honorare gezahlt zu haben, eine Woche später habe der selbe Zivilingenieur dann mit Simandls Sohn ein Zinshaus in Wien gekauft. Hier sei nicht alles mit rechten Dingen zugegangen. Auch soll Simandl den Grünen 2006 Parteienfinanzierung angeboten haben, falls sie auf ihren Widerstand gegen eine geplante Müllverbrennungsanlage Heiligenkreuz aufgeben.

In der Kritik stehen auch branchenunüblich hohe Gagen und eine Zusatzpension von angeblich 2,5 Mio. Euro für Simandl, angebliche Sondertarife für den Gasbezug und Unregelmäßigkeiten bei der Verrechnung von Kilometergeld.

Simandl weist alle Vorwürfe zurück, für ihn gilt die Unschuldsvermutung.

In der ganzen Causa ermittelt die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft inzwischen gegen zwölf Beschuldigte. Dazu gehören neben Simandl, sein langjähriger Stellvertreter Reinhard Schweifer, zwei Manager, ein Architekt, der Bauunternehmer Klaus Ortner, der Autohändler und die vier Gastronomen sowie ein Steuerberater.

Simandl ist bereits bei Bekanntwerden der ersten Vorwürfe im April des Vorjahres entlassen worden.

Anwalt: "Es geht ihm furchtbar"

Simandl hat nach seiner Festnahme in der Nacht auf Donnerstag in Wien seine erste Nacht in der Justizanstalt Wien-Josefstadt verbracht. Dem früheren Chef des burgenländischen Gasunternehmens geht es laut seinem Anwalt Roland Kier "furchtbar. Es geht ihm sehr schlecht. Er ist durch das gesamte Verfahren psychisch schwer gezeichnet", so Kier am Freitag. Simandl sei nahezu nicht ansprechbar und kaum einzuvernehmen.

Für Kier ist die Festnahme nach wie vor unverständlich. Auch für eine mögliche Verhängung der Untersuchungshaft sehe er keinen Grund. Zu den Behauptungen, Simandl habe sich einer Ladung widersetzt, hielt er fest: "Das ist absolut unwahr." Auch Berichte über eine Festnahme im Spital seien nicht korrekt. Simandl hatte sich in ärztlicher Behandlung in einem Krankenhaus befunden. Die Festnahme wegen Flucht-, Verdunkelungs- und Tatbegehungsgefahr erfolgte jedoch in Wien.

Eine Entscheidung über die Untersuchungshaft "dürfte heute im Laufe des Tages fallen", erklärte der Anwalt. Zuständig ist das Landesgericht für Strafsachen in Wien.