Erstellt am 27. Mai 2011, 13:01

Experte: Viele Betriebe bei Kastenstand-Verbot vor Aus. Seit dem EU-Beitritt Österreichs im Jahr 1995 ist die Zahl der Schweinebetriebe dramatisch von rund 112.000 auf knapp 31.000 zurückgegangen. Mit der derzeit diskutierten Abschaffung des Kastenstands, eine Art Gitterkäfig, und den verbundenen Kosten könnte sich die Branche noch weiter konsolidieren, rechnet Schweine-Experte Karlheinz Pistrich von der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft.

Die Zuchtsau wird derzeit nach dem Wurf der Ferkel einen Monat lang in einem 1,90 mal 0,65 Meter großen Gitterkäfig eingesperrt. Tierschützer und die Volksanwaltschaft kritisieren diese Haltungsform.

Eine Abschaffung wäre ein "gravierender Einschnitt" für die Schweinebauern und würde umfangreiche Umbauarbeiten bei den Betrieben notwendig machen, so Pistrich. Es sei fraglich ob sich die Betriebe diese Kosten leisten könnten. "Viele werden einfach aufgeben", erwartet der Experte. Damit werde die Selbstversorgung in Österreich mit Ferkeln stark zurückgehen.

Der Verband der Österreichischen Schweinebauern (VÖS) warnt bereits von einem "finanziellem Kollaps der Kleinbetriebe" bei einer Abschaffung des Kastenstands. Die Umstellungskosten seien "großteils nicht zu bewältigen". Der Verband verweist im europäischen Vergleich auf die geringe Betriebsgrößen der österreichischen Schweinebauern: In Österreich hält ein Betrieb im Schnitt rund 50 Muttersauen, in Dänemark aber 1.200. Der Großteil der Schweinebetriebe befindet sich in Oberösterreich, der Steiermark und Niederösterreich.

Fraglich ist laut Experten ob die Bauern die Mehrkosten einer Umstellung mit einem höherem Schweinepreis wieder hereinbekommen. Im vergangenen Jahr erhielten österreichische Bauern für Schweine einen durchschnittlichen Verkaufspreis von 1,40 Euro pro Kilo Schlachtkörpergewicht. Im Jänner diesen Jahres stürzte der Preis wegen des Dioxinskandals in Deutschland auf 1,21 Euro ab, erholte sich aber nach Interventionen der EU durch Einlagerung von Schweinefleisch wieder. Eines der wichtigsten Kriterien für die Rentabilität der Betriebe ist die Höhe der Futtermittelpreise. Dieser schwankte in den vergangenen Jahren deutlich und zeigt in diesem Jahr wieder steil nach oben.

Im Jahr 2010 wurden in Österreich insgesamt 5,57 Mio. Schweine geschlachtet. Rund 455.000 Schlachtschweine wurden nach Österreich importiert und dann zum Großteil wieder als Frischfleisch oder als weiterverarbeitete Produkte exportiert. "Rewe und Spar verkaufen kein ausländisches Schweine-Frischfleisch", so Pistrich.