Erstellt am 24. September 2011, 03:49

EZB-Chef: Europa Epizentrum weltweiter Krise. EZB-Präsident Trichet hat ein düsteres Bild der gegenwärtigen Krisengefahren in Europa und darüber hinaus entworfen.

Die Risiken für die Stabilität des europäischen Finanzsystems hätten in letzter Zeit drastisch zugenommen, sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank am Freitag am Rande der IWF-Jahreskonferenz in Washington. Er forderte die politisch Verantwortlichen zu raschem Handeln auf.

Das Zentrum der aktuellen Krise um ausufernde Staatsschulden bilde die Euro-Zone. Die Probleme hätten sich aber inzwischen darüber hinaus ausgeweitet. "Wir stehen vor einer globalen Krise der öffentlichen Finanzen, und wir (die Euro-Zone) sind das Epizentrum dieser Krise", sagte Trichet.

Die aktuelle Situation sei dabei noch prekärer als beim Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers im Jahre 2008, der die Weltwirtschaft in einen tiefen Abgrund gestürzt hatte. An den Märkten sei inzwischen der Glaube verloren gegangen, dass Schlüssel-Länder nicht zahlungsunfähig werden können. Belegt werde die Krise durch die Spannungen auf den Anleihemärkten in Europa und die heftigen Schwankungen an den Aktienmärkten rund um den Erdball.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnte indes vor überzogenen Erwartungen an den Euro-Rettungsschirm EFSF und an die Europäische Zentralbank bei der Lösung der Schuldenkrise im Euro-Raum. Zu Forderungen, den EFSF finanziell noch weiter aufzurüsten als ohnehin geplant, sagte der IWF-Direktor für Europa, Antonio Borges, am Freitag in Washington: "Ich denke nicht, dass jetzt die Zeit ist, darüber zu diskutieren". Der EFSF sei ein wichtiges Instrument bei der Krisenbekämpfung. Er sei aber nicht die Lösung für alle Probleme.