Erstellt am 21. Dezember 2011, 15:45

EZB-Geldsegen soll Kreditklemme abwenden. Im Kampf gegen eine drohende Kreditklemme hält die EZB Europas Banken langfristig mit einer beispiellosen Geldspritze von fast einer halben Billion Euro flüssig.

Mehr als 520 Geldinstitute griffen bei der erstmals aufgelegten Kreditlinie mit drei Jahren Laufzeit zum Leitzins zu, wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Mittwoch mitteilte.

Die gewaltige Nachfrage in Höhe von rund 489 Milliarden Euro erstaunte selbst Experten, die im Schnitt 310 Milliarden erwartet hatten. Investoren reagierten erleichtert auf den EZB-Geldsegen, den die Banken zur Refinanzierung ihrer Schulden, aber auch für Firmenkredite und zum Kauf von Staatsanleihen klammer Euro-Staaten nutzen sollen. Der Aktienindex Dax erhielt aber ebenso nur kurzzeitig Auftrieb wie der Euro, der zum Dollar anzog.

Nach Ansicht der deutschen Privatbanken ist der sogenannte Dreijahres-Tender ein Quantensprung: Er verbessere die Liquiditätsversorgung in Europa entscheidend, sagte Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands. Das erleichtere den Banken in einer schwierigen Phase die Refinanzierung - gerade zusammen mit den anderen Liquiditätshilfen, die die EZB Anfang Dezember beschlossen hatte. "All das sind wichtige und richtige Schritte, um der Gefahr einer Kreditklemme im Euro-Raum zu begegnen", betonte Kemmer. Insbesondere Banken Italiens standen vor der Tränke der EZB Schlange: Mehr als zehn Geldinstitute des Landes, darunter Branchenprimus Unicredit, sollen sich mit Geld vollgesogen haben, wie Reuters erfuhr. Der Bankenverband (ABI) machte jedoch umgehend deutlich, dass das frische Geld nicht zum Ankauf von Staatsanleihen gedacht ist.

Der jetzt aufgelegte Drei-Jahrestender ist Teil eines riesigen Rundum-Sorglos-Paktes für die Banken der Euro-Zone. Hinzu kommt ein weiterer langlaufender Tender Ende Februar, Erleichterungen bei der globalen Dollar-Versorgung durch mehrere internationale Zentralbanken und eine Halbierung der Mindestreserve von zwei auf ein Prozent.

Auf die Banken Europas rollt 2012 eine gigantische Refinanzierungswelle zu, da 725 Milliarden Euro an Schulden auslaufen und zurückgezahlt oder verlängert werden müssen. Die EZB befürchtet, dass die Banken vor diesem Hintergrund ihre Darlehensvergabe einschränken könnten. EZB-Präsident Mario Draghi hatte die Banken ermutigt, die von der Zentralbank ausgeworfenen Rettungsleinen ohne Scheu zu ergreifen.