Erstellt am 20. November 2012, 11:32

EZB-Nowotny fürchtet eher Stagnation als Inflation. "Ich fürchte mich nicht vor der Inflation, sondern eher vor der Stagnation. Ein Stagnationsszenario ist leider für Europa nicht ausschließbar", so die Einschätzung von Ewald Nowotny, Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB).

Eine Inflationsgefahr bestehe in Österreich und Deutschland jedenfalls nicht, hier hätten die internationalen Märkte bereits eine stabile Entwicklung eingepreist. Ein großer Unsicherheitsfaktor sei aber die Lage im Nahen Osten, ein größerer Krieg würde die Energiepreise weiter in die Höhe treiben - und genau der Energiesektor ist es, der auch in Österreich bisher inflationstreibend war, so Nowotny am Dienstag vor Schülern beim "Gewinn InfoDay" in Wien.

Ein gewisser Preisanstieg sei in einer dynamischen Wirtschaft normal, sollte aber langfristig unter zwei Prozent liegen. Eine Deflation hingegen würde in eine Wirtschaftskrise führen. Österreich sei bisher von der "massiven Weltwirtschaftskrise" vergleichsweise wenig berührt worden. Aber grundsätzlich gelte: "Wir brauchen gesunde solide Staatsfinanzen. Nächstes Jahr ist ein Wahljahr, und das ist normalerweise nicht sehr gesund für die Staatsfinanzen."

Kritik, wonach es der Politik nur um die Rettung der Banken, aber nicht der Bürger ging, wies Nowotny zurück. "Das Bankensystem ist kein Selbstzweck, sondern es geht darum die Kreditverläufe aufrecht zu erhalten. Ohne diesen kann eine Volkswirtschaft nicht existieren," so das EZB-Ratsmitglied Nowotny.

Seine Prognose: "Was wir derzeit in der Weltwirtschaft sehen ist leider eine Verlangsamung. Wir haben in Asien und den USA ein Wachstum, aber geringer als früher. In Österreich werden wir 2012 ein Wachstum von 0,5 bis 1 Prozent haben, also positiv, aber schwach."

Leise Kritik übte Nowotny an der Blockadehaltung der Briten beim aktuellen EU-Budget. Die Hilfen für Griechenland verteidigte er einmal mehr. Wenn Hellas nicht mehr Teil der EU wäre, dann bestehe die Gefahr einer Ansteckung.