Erstellt am 05. Juli 2012, 14:37

EZB senkt Leitzins auf historisches Tief von 0,75 Prozent. Die EZB hat den Leitzins im Euroraum erstmals seit Einführung des Euro unter 1,0 Prozent gesenkt. Der Zins wurde von 1,0 auf 0,75 Prozent verringert.

Das beschloss der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag in Frankfurt, wie die Notenbank mitteilte. Die meisten Volkswirte hatten diesen Schritt im Kampf gegen eine Ausbreitung der Rezession erwartet.

Die meisten Volkswirte hatten die Zinssenkung im Kampf gegen eine Ausbreitung der Rezession erwartet. Die Inflationsrisiken gingen zuletzt zurück, während sich die schwache Konjunktur immer weiter ausbreitet. Ökonom Marco Valli von der Unicredit sieht klare Anzeichen, dass die wirtschaftliche Schwäche aus den Krisenländern zunehmend auf den Kern des Euroraums übergreift - und die Dynamik auch in Deutschland als stärkster Volkswirtschaft Europas nachlässt.

Niedrige Zinsen verbilligen Kredite. Das erhöht tendenziell die Investitionsneigung von Unternehmen und die Konsumfreude der Verbraucher - und kann so die Konjunktur ankurbeln. Zugleich befeuern niedrige Zinsen aber die Inflation.

Neben der Zinssenkung könnte die EZB zu weiteren Mitteln greifen, um maroden Banken und - indirekt - strauchelnden Staaten zu helfen. Sie könnte Banken erneut langfristig billiges Geld leihen oder wieder Anleihen von Krisenstaaten wie Spanien und Italien kaufen. Letzteres hatte EZB-Ratsmitglied Klaas Knot kürzlich ausgeschlossen: "Das Anleihekaufprogramm schläft tief und fest und das wird auch so bleiben."

Die Bank Austria erwartet, dass die Zinsen "generell weiter sinken werden". Was die Kreditzinsen betreffe, werde die Leitzinssenkung "in der Preisgestaltung berücksichtigt werden", hieß es am Donnerstag aus der Bank. Bei der Spareinlagen werde die Bank Austria aufgrund der EZB-Zinssenkung keine Zinssenkungen vornehmen, aber "den Markt laufend beobachten".

Die Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien (RLB NÖ-Wien) hat nach eigenen Angaben ihre Sparzinsen schon vor Tagen, mit 2. Juli, "angepasst". Das betraf etwa Laufzeiten von 9 Monaten, wo der Zinssatz um 0,125 Prozentpunkte auf bis zu 1 Prozent sank, bei Einlagen zwischen 18 und 24 Monaten Laufzeit wurde um einen Viertelprozentpunkt abgesenkt. Andere Sparformen blieben wieder unverändert. Auch andere Banken haben Sparzinssenkungen schon vor Wochen vorweggenommen.

Bei klassischen Kundenkrediten spielt der jeweilige Stichtag eines EZB-Zinsentscheids eine schwindende Rolle. Hier gelten zum einen Zinsgleitklauseln und zum anderen wird beispielsweise der 3-Monats-Euribor als vorgegebener Richtsatz definiert.

Im Kampf um Spargelder herrscht auch in Österreich ein massiver Wettbewerb um Einlagenkunden.