Erstellt am 02. März 2012, 15:49

EZB will keine neue Geldspritze aufziehen. Europas Banken können sich künftig nicht mehr auf großzügige Geldspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB) verlassen. Eine dritte Flut mit billigem Geld werde es nicht geben, sagte EZB-Präsident Mario Draghi einem Teilnehmer zufolge vor den 27 Staats- und Regierungschefs beim EU-Gipfel.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel betonte am Freitag, die EZB verschaffe den Krisenländern mit ihren Geldspritzen die nötige Zeit für strukturelle Reformen. "Wir werden diese Zeit nutzen, wir werden anschließend sicherlich auch keine weiteren solchen Maßnahmen ergreifen", sagte Merkel. "Die Liquidität wird wieder aus den Märkten herausgehen."

Die EZB hat den Banken im Dezember und am Mittwoch zusammen Kredite über eine Billion Euro für drei Jahre zum ultraniedrigen Zins von einem Prozent zur Verfügung gestellt. Ziel war es, eine Kreditklemme abzuwenden und die schwächelnden Euro-Schwergewichte Spanien und Italien durch die gefährlichsten Klippen am Geldmarkt zu lotsen. "Wir sind einigermaßen zufrieden mit unserer Operation", betonte Draghi vor Reportern. Er selbst hatte die beiden Dreijahrestender (LTRO) wiederholt als Ausnahme bezeichnet. Aus Zentralbankkreisen hatte Reuters jüngst erfahren, dass es wohl kein drittes Refinanzierungsgeschäft geben werde.

Damit tritt die EZB nun etwas zurück in die zweite Reihe und überlässt den Regierungen den entscheidenden Kampf gegen die Schuldenkrise. Zuletzt hatte die Zentralbank auch ihr Programm zum Kauf von Staatsanleihen heruntergefahren und zwei Wochen lang keine Bonds erworben. Seit Mai 2010 nahm sie aber Anleihen von klammen Euro-Staaten wie Italien, Spanien, Portugal und Irland über rund 220 Mrd. Euro in ihre Bücher.

Draghi würdigte die Fortschritte bei den Strukturreformen. Die Lage sei aber immer noch sehr fragil und Europas Staaten müssten ihre Bemühungen fortsetzen. "Aber das Bild ist schon viel besser als noch im November", sagte Draghi.

Kritik an der Geldflut kommt aus Brasilien. Staatspräsidentin Dilma Rousseff kritisierte den "Tsunami" an billigem Geld in Industriestaaten, der den Schwellenländern Probleme bereite: "Wir haben einen Währungskrieg auf Grundlage einer expansiven Geldpolitik, die ungleiche Bedingungen für den Wettbewerb schafft."