Erstellt am 19. November 2012, 14:18

Fernwärme wächst, Branche fordert Subventionen ein. Fernwärme wächst in Österreich kräftig, vor allem in den Ballungsräumen. Im Vorjahr heizten 764.000 Haushalte mit Fern-/Nahwärme, das ist ein Anteil von mehr als 21 Prozent, 2010 waren es 758.000 und 2005 rund 606.000.

Der Wachstumstrend werde sich fortsetzen, erklärten Vertreter des Fachverbands Wärme in einer Pressekonferenz. Fernwärme werde zwar auch teurer, sei aber in Relation zu den Alternativen preisgünstig, wird betont. Die Branche fordert Subventionen ein.

Mit Fernwärme könne Österreich seine Umwelt- und Klimaziele einfacher und günstiger erreichen, heißt es. Die Förderung ist im Wärme- und Kälteleitungsausbaugesetz 2009 geregelt. Die Budgetmittel müssten entsprechend dem Gesetz eingesetzt werden, sagte Wolfgang Dopf, Vorstand der Linz AG und Bereichssprecher Wärme im Fachverband. Es gehe der Branche etwas zu langsam.

Die Fernwärmewirtschaft fordert die volle Dotierung des Topfes von 60 Mio. Euro pro Jahr. Für die kommenden zwei Jahre seien nun rund jeweils 15 Mio. Euro vorgesehen. In den Jahren 2009 bis 2012 habe die Dotierung statt der möglichen 240 Mio. Euro nur 75 Mio. Euro betragen. Ausgezahlt worden seien bis Oktober dieses Jahres 10,3 Mio. Euro. Gefordert wird auch eine Förderung des Fernwärme-und Fernkälteausbaus mit zusätzlich 20 Mio. Euro pro Jahr bis 2020 im geplanten Bundesenergieeffizienzgesetz. Weiters solle in diesem Gesetz die Weiterführung der 2010 ausgelaufenen Betriebsförderung für alle hocheffizienten Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen geregelt sein.

An Investitionen planen die Unternehmen im Zeitraum 2012 bis 2021 laut einer Umfrage des Fachverbands Gas Wärme (FGW) 871 Mio. Euro für die Erzeugung und Bereitstellung, 718 Mio. Euro für den Netzausbau und 138 Mio. Euro für Wärmeübergabestationen.

Im Preis für Fernwärme seien meist auch Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten sowie Kundendienst enthalten, während bei Preisvergleichen mit anderen Energieträgern oft nur die reinen Brennstoffkosten herangezogen werden, hieß es heute. Die Fernwärmepreise seien grundsätzlich weniger volatil als etwa Erdgas, betonte Dopf. Die Verteuerungen der letzten Jahre wird auf weniger günstige Abwärme zurückgeführt. Laut Daten der Statistik Austria (Basis: VPI 2005) war Wärmeenergie im Oktober dieses Jahres um rund 35 Prozent teurer als vor rund sechseinhalb Jahren, Gas um rund 38 Prozent und Heizöl Extral Leicht um rund 65 Prozent.

Der Fachverband wies heute darauf hin, dass sich seit 1986 der Verbraucherpreisindex auf 176 Punkte erhöht habe, der Energiepreisindex auf 169 Punkte jahresdurchschnittlich. Fernwärme liege bei 146 Basispunkten. "Unter Berücksichtigung der allgemeinen Teuerung und der Steigerung der Kaufkraft ist Fernwärme heute sogar um knapp 17 Prozent billiger als vor 26 Jahren", heißt es in der Fachverband-Mitteilung.

Rund 70 Prozent der Fernwärme stammen aus Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, die gleichzeitig Strom und Wärme erzeugen. Damit erhöht sich der Wirkungsgrad des eingesetzten Brennstoffs auf bis zu 90 Prozent, verglichen mit 40 bis maximal 58 Prozent, wenn nur Strom erzeugt wird. Wichtigster Brennstoff war 2011 Gas mit einem Anteil von 59 Prozent, gefolgt von Kohle mit 18 Prozent. Der Erneuerbaren-Anteil (Müll, Hackschnitzel & Co, Geothermie) lag bei 18 Prozent. Europas Gaskraftwerke sind derzeit angesichts der relativ niedrigen Strompreise und relativ hohen Gaspreise wirtschaftlich unter Schwierigkeiten.

Bei Gebäuden mit mehr als 20 Wohnungen liege der Fernwärme-Anteil bereits bei 45 Prozent, so Alfred Freunschlag, stellvertretender Bereichssprecher im FGW und Geschäftsführer der EVN Wärme GmbH. In Wien liegt der Fernwärmeanteil bei mehr als 36 Prozent (über 320.000 Wohnungen) in Linz bei 60 Prozent (rund 70.000 Wohnungen), in Graz bei mehr als 38 Prozent (mehr als 46.000 Wohnungen) und in Salzburg bei rund 40 Prozent (mehr als 30.000 Wohnungen). In Niederösterreich heizen rund 70.000 Haushalte mit Fern- und Nahwärme. Das österreichische Fernwärme-Netz ist rund 4.400 Kilometer lang.