Erstellt am 02. Juli 2012, 13:39

Finanzkrise größte Bedrohung für die Wirtschaft. Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht Österreichs Wirtschaft "in guter Verfassung" und beurteilt das Sparpaket sowie das Tempo der Budgetkonsolidierung als "angemessen".

Man sei hingegen recht besorgt, weil eine zu rasche Budgetkonsolidierung in vielen Ländern der Welt die Nachfrage dämpfe und so einer scharfen Rezession führe, sagte IWF-Chefprüferin Enrica Detragiache am Montag. Detragiache präsentierte die vorläufigen Ergebnisse der sogenannten "Artikel-IV-Konsultationen" eines IWF-Expertenteams in Wien. Die größte Gefahr droht Österreichs Wirtschaft nach Ansicht der IWF-Experten von außerhalb, nämlich von einer möglichen Verschärfung der Finanzkrise in der Eurozone. Auch die Ostexpansion der österreichischen Banken wird im Ausland nach wie vor kritisch beurteilt und als "übermäßig ehrgeizig" gesehen.

Problematisch sei es auch, dass es in Österreich im Vergleich zu anderen Ländern viele Bankfilialen mit vielen Bankangestellten gebe. "Die Profitabilität der österreichischen Bankgeschäfte war in den letzten paar Jahren ziemlich niedrig". Der österreichischen Regierung empfiehlt der IWF eine umfassendere Strategie um die Altlasten der Banken loszuwerden, an denen sich der Staat beteiligen musste und um die daraus resultierenden Belastungen für das Staatsbudget zu reduzieren.

Der IWF geht davon aus, dass sich das Wirtschaftswachstum in Österreich im Laufe dieses und im kommenden Jahr etwas beschleunigen, aber insgesamt moderat bleiben wird. Die Arbeitslosigkeit werde von einem niedrigen Niveau ausgehend leicht steigen und die Inflation zurückgehen. Der österreichischen Regierung empfehlen die IWF-Experten, die Besteuerung von Arbeit budgetneutral zu senken. Insbesondere sollten die Sozialversicherungsbeiträge gesenkt werden, was durch Umwelt-, Verbrauchs- und Immobiliensteuern ausgeglichen werden könnte. Letztere seien im internationalen Vergleich sehr niedrig.