Erstellt am 28. März 2011, 12:41

Firmenpleiten und Privatkonkurse legen zu. Im ersten Quartal gibt es heuer zwar mehr Firmenpleiten als 2010, dafür ist die Summe der Verbindlichkeiten rückläufig. Deutlich ist der Anstieg bei Privatinsolvenzen. Diese legten um 9 Prozent zu.

Laut der vorläufigen Insolvenzstatistik des Kreditschutzverbands von 1870 (KSV) für Jänner bis März 2011 gab es mit 897 um etwa 4 Prozent mehr eröffnete Insolvenzverfahren als im ersten Quartal 2010, die mangels Masse nicht eröffneten Verfahren gingen dagegen um rund 3 Prozent zurück. Die Schulden in den Verfahren lagen mit 540 Mio. Euro etwa 15 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Von den Insolvenzverfahren waren 5.500 Arbeitnehmer betroffen, was einen Rückgang von knapp 13 Prozent gegenüber 2010 bedeutet. Zwar könne man erst zur Jahresmitte sagen, ob sich diese entspannende Situation fortsetzt, dennoch sieht der KSV Anlass für "vorsichtigen Optimismus": "Das bedeutet unter dem Strich, dass die Insolvenzen durchschnittlich durchwegs kleiner und wirtschaftlich unbedeutender geworden sind als 2010", heißt es in einer Aussendung.

Bei den im Krisenjahr 2009 und 2010 stark betroffenen Branchen wie Maschinen / Metall und Unternehmensdienstleistungen seien bereits rückläufige Insolvenzzahlen zu verzeichnen. So habe es in der Metallindustrie 29 Prozent und bei Unternehmensdienstleistungen 9 Prozent weniger Pleiten als im Vorjahr gegeben. Zuwachs verzeichnet der KSV dagegen in Branchen, die "anfangs von der Krise nicht zu betroffen sein schienen." In der Bauwirtschaft gab es 204 und damit 31 Prozent mehr Insolvenzen als 2010, in der Lebens- und Genussmittelbranche waren es 29 (plus 26 Prozent). Dies sei darauf zurückzuführen, dass die Geldausgabefreudigkeit der privaten Haushalte nachlasse.

Mit Passiva von 84,2 Mio. Euro war der Fall der Immobiliengruppe R-Quadrat und seiner Tochterunternehmen die mit Abstand größte Firmenpleite im ersten Quartal. Auf dem zweiten Platz liegt der Computerspiele-Hersteller JoWood mit Ausständen von 22 Mio. Euro, gefolgt vom Reedereikontor Meridian (20 Mio. Euro). Mit 14,5 Mio. Euro Schulden ist der Fall der Tiroler Traditionsfirma Kneissl die bisher viertgrößte Unternehmensinsolvenz dieses Jahres.

Am meisten Insolvenzen gab es, ebenso wie im Vorjahr, in Wien (268), das ist eine Steigerung von 14 Prozent. Den stärksten Anstieg gab es in Vorarlberg (plus 29 Prozent). Umgekehrt war die Entwicklung in Salzburg, wo es mit 28 rund 52 Prozent weniger Firmenpleiten gab als im Vorjahreszeitraum. Mit Salzburg und Tirol (minus 26 Prozent) gab es nur in zwei Bundesländern einen Rückgang der Insolvenzen, was den KSV in seiner Annahme bestärkt, dass es für 2011 einen geringfügigen Zuwachs an Unternehmensinsolvenzen geben wird.

Eine rasantere Entwicklung als bei den Firmenpleiten gab es bei den Privatinsolvenzen. Diese legten um 9 Prozent auf 2.453 Fälle zu. Laut KSV ist dies der erste nachhaltige Zuwachs seit fast zwei Jahren. Die Verbindlichkeiten belaufen sich auf 303 Mio. Euro, das sind 16 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Die mit Abstand meisten Fälle gab es in der Bundeshauptstadt Wien (1.038), den größten Zuwachs hat Salzburg mit einem Plus von 47 Prozent zu verzeichnen. Hierbei könne es sich um einen "Aufholeffekt" handeln, da Salzburg in den vergangenen Jahren immer im unteren Bereich der Insolvenzhäufigkeit lag, so der KSV.