Erstellt am 24. August 2016, 05:52

von Gunther Graf

Industrie rüttelt am Samstag. Geht es nach der Industriellenvereinigung, sollen Arbeitszeitregelungen gelockert werden – auch am Wochenende. Gewerkschaft ortet die Gefahr von Überstunden.

IV-Präsident Gerger: „Nicht länger gegen den Strom.“ Foto: Privat  |  Privat

In der Diskussion um flexible Arbeitszeiten fordert die Indus-triellenvereinigung Burgenland (IV) praktikable Höchstarbeitszeitgrenzen. So soll die Tages-Höchstarbeitszeit von zehn Stunden durch eine in anderen Ländern praktizierte Mindestruhezeit von elf beziehungsweise zwölf Stunden pro Tag ersetzt werden. Weiters sollten Kurzarbeits-Regelungen intern auf Betriebsebene ausgebaut werden.

„Können nicht mehr länger gegen den Strom schwimmen“

Zusätzlicher Brennpunkt ist die Forderung nach einer Gleichstellung des Samstags als normaler Werktag. Die bislang geltende Wochenendruhe will die IV durch eine Wochenruhe ersetzen und erst Sonntag-Mitternacht beginnen lassen. „Wir können nicht mehr länger gegen den Strom einer steigend- schwankenden Auftragslage schwimmen“, sagt IV-Burgenland-Präsident Manfred Gerger.

Die arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen in Österreich sollten „den sich rasant ändernden Wettbewerbsbedingungen und den tatsächlichen Lebensweisen der Mitarbeiter angepasst werden“. Sonst würden heimische Arbeitsplätze in Länder wandern, wo sich besser investieren und arbeiten lässt, so Gerger.

ÖGB-Landessekretär: Forderungen gehen zu weit

ÖGB-Landessekretär Michalitsch: „Arbeitnehmer sollen mitbestimmen.“ Foto: privat  |  privat

Für ÖGB-Landessekretär Gerhard Michalitsch gehen die derzeit diskutierten Forderungen zu weit: „Das zielt darauf ab, sich die Überstundenzuschläge zu ersparen.“ Man werde Lohnkürzungen aber nicht über die Hintertüre zustimmen.

Michalitsch verweist auf die bereits bestehenden Möglichkeiten von flexibler Arbeitsgestaltung in den Kollektivverträgen: „Die Optionen werden aber von den Betrieben nicht in vollem Umfang genützt.“ Zudem gäbe es Ausnahmegenehmigungen mit Zustimmung der Gewerkschaft. Bei Verhandlungen über Arbeitszeiten nur auf Betriebsebene würde die Belegschaft oft unter einseitigem Druck stehen.

Auch der ÖGB ist für flexiblere Arbeitszeiten, diese sollten aber von den Arbeitnehmern individuell mitbestimmt werden können, wird betont. Eine zehn Stunden übersteigende Tagesarbeitszeit sei für niemanden von Vorteil, da die Leistungsfähigkeit dramatisch abnehme. Gesamtwirtschaftlich wäre es sinnvoll, so Michalitsch, bei Mehrbedarf an Arbeitskräften diese vom Arbeitsmarkt zu holen und nicht die im Arbeitsprozess stehenden Arbeitnehmer übermäßig zu belasten.