Erstellt am 09. Oktober 2011, 13:42

Flugbehinderungen durch Proteste an Airports. Diese Woche wird für Flugreisende einige Verspätungen und Flugausfälle bringen.

An mehreren österreichischen und deutschen Flughäfen - hierzulande allen voran in Wien-Schwechat - sind für Montag Behinderungen programmiert. Die Beschäftigten an den Airports protestieren gegen Abfertigungs-Auslagerungen, die von der EU vorgegeben werden.

Es herrscht die Furcht vor "Billigunternehmen" und Lohndumping, die Mitarbeiter bangen um ihre Jobs. In Deutschland sind nach Informationen vom Sonntag 14 Flughäfen betroffen, in Österreich zunächst Wien und Linz. Die Betriebsversammlung am Montag in Schwechat ist auf eineinhalb bis zwei Stunden anberaumt, sagte Flughafen-Wien-Betriebsrat Dieter Rozboril zur APA.

In Deutschland sind die meisten größeren Airports betroffen, darunter Frankfurt, Hamburg, Köln, München, Berlin und Stuttgart. Auch von norditalienischen Flughäfen wurden für Montagnachmittag Protestaktionen angekündigt.

Es geht um Leistungen der Vorfeld-Abfertigung wie Gepäckabfertigung, Kabinenreinigung, Betankung, Transport von Fracht oder die Catering-Anlieferung zum Flugzeug. Diese Dienste dürften Montagnachmittag auch in Schwechat eine Zeitlang stehen.

Laut Rozboril werden die betroffenen Mitarbeiter in Wien-Schwechat in einer ersten Informationsveranstaltung über die anstehenden Änderungen informiert. "Wir werden sie fragen, ob sie bereit sind für weitere Maßnahmen". In erster Linie werde es dann erneut Betriebsversammlungen geben, "vielleicht nicht zu solch freundlichen Zeiten wie jetzt", und auch eine große europaweit organisierte Demonstration in Brüssel. "Im zweiten Schritt werden auch mehr Länder dabei sein", ist der Wiener Betriebsratschef überzeugt.

Der Protest gilt einer neuen EU-Richtlinie. Sie verpflichtet zur rechtlichen Trennung der Bodenverkehrsdienste-Tätigkeiten der Flughafengesellschaften ab zwei Millionen Passagieren bzw. 50.000 Tonnen Fracht. Brüssel will die Airports zwingen, die Bodenabfertigung auszugliedern. Ab fünf Millionen Passagieren sollen nicht weniger als drei Bodendienste-Anbieter vorgeschrieben sein, und zudem soll jede Fluglinie soll an jedem Flughafen die Bodenverkehrsdienste selbst abwickeln dürfen. Am Flughafen Wien werden pro Jahr etwa 20 Millionen Passagiere abgefertigt. In Wien sind derzeit zwei Abfertiger tätig, neben dem Flughafen Wien auch eine Österreich-Tochter von Fraport.

Auch die Wiener-Airport-Vorstände Julian Jäger und Günther Ofner haben ihre Bedenken vorgetragen. Tenor: Durch weitere Liberalisierungsschritte würde der Druck auf die Flughäfen stark erhöht.

Für Mitte der Woche können sich Passagiere auf weiteres Ungemach einstellen. Nachdem am Freitagabend Verhandlungen im deutschen Fluglotsen-Gehaltsstreit gescheitert sind, droht am Mittwoch ein stundenlanger Streik der deutschen Lotsen.