Erstellt am 20. September 2011, 10:25

Flughafen-Chefs starten mit Aufnahmestopp und Kassasturz. Die neuen Flughafen-Chefs Julian Jäger und Günther Ofner haben am Dienstag einen neuen Sparkurs am Airport angekündigt. Beide sind seit Anfang September im Amt.

Gleich am ersten Tag seien wichtige Maßnahmen gesetzt worden, wurde heute berichtet: Darunter eine straffere Organisation und ein Aufnahmestopp beim Personal.

Nun werde in allen Bereichen ein Kassasturz vorgenommen - mit dem Ziel, ein "signifikantes" Einsparungspotenzial und neue Ertragsmöglichkeiten zu identifizieren, wie es in der Pressemitteilung zur heutigen Antrittspressekonferenz der neuen Flughafen-Wien-Spitze heißt.

In allen Unternehmensbereichen müssten Kosten eingespart werden - sowohl Sach- als auch Personalkosten. Kündigungen sollen vermieden werden, dieser Schritt würde nur als äußerstes Mittel - etwa im Fall eines starken Wachstumseinbruchs - eingesetzt. Mittelfristig soll die Produktivität um "zumindest 20 Prozent" höher sein. Damit solle auch der Investitions- und Wachstumskurs ohne ausufernde Verschuldung finanziert werden.

"Kostendruck auf AUA trifft uns eins zu eins"
Die für die kommenden Jahre erwarteten abgeflachten Wachstumskurven in der Luftfahrt und der Konkurrenzkampf um Airportstandorte lassen den Druck auf den Flughafen Wien steigen. Vorstand Julian Jäger verwies auf den Home-Carrier Austrian Airlines: "Der Kostendruck auf die AUA ist massiv. Der wird eins zu eins an uns weiter gegeben".

Am Flughafen Wien sei es absolut notwendig, die Kosten zu senken. "Da halten wir uns nicht auf mit Vergleichen zu anderen Flughäfen". Rentabilitätsvergleiche seien in dieser Branche oft ein Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen, meinte Jägers Kollege Günther Ofner: So sei der Flughafen Wien einer der wenigen Airports, die das Handling noch selber erledigten. Andere hätten das ausgelagert.

Das Management ortet jedenfalls Handlungsbedarf bei Tarifen, Kapazitäten und Service. Das Sparpotenzial im einzelnen will der neue Vorstand zusammen mit neuen Prognosen für 2012 im Jänner nennen. Neue Erträge erhofft man u.a. im Non-aviation-Bereich, bei der Gastronomie und bei Immobilien. "Wir haben Aufholbedarf bei der Servicequalität, beim Ambiente, in der Gastronomie", befand Jäger. Das Passagiererlebnis, der Wohlfühlfaktor am Flughafen soll auch verbessert werden. Dazu zählt er auch kürzere Wartezeiten vor den Toiletteanlagen.

Jäger war zuvor Chef des Flughafens Malta, einer Tochter des Flughafen Wien. Wer künftig Malta leitet, soll bis Jahresende entschieden sein.

Jäger und Ofner haben sich für ihre Antrittspressekonferenz "keine 100 Tage" gegeben nach ihrem Amtsantritt: "Wir sind vom ersten Tag an entscheidungsfähig." Ofner versicherte, Sorge tragen zu wollen, dass es keine Einmischung der Politik ins Airportgeschäft gebe. Im Zusammenhang mit dem neuen Medientransparenzgesetz, das die Vergabe von Inseraten von staatsnahen Betrieben regeln soll, sagte Ofner, dass man auch dieses nach Punkt und Beistrich erfüllen werde. Die neu eingeleiteten Kosteneinsparungen am Flughafen träfen alle Unternehmensbereiche. "Auch unsere Medienkooperationen".