Erstellt am 07. Mai 2012, 14:08

Franzosen und Griechen lehren Börsen das Fürchten. Die Wahlen in Frankreich und Griechenland haben die Furcht vor der Schuldenkrise an den Finanzmärkten neu entfacht.

Weltweit gingen die Aktienkurse am Montag in den Keller, nachdem in Frankreich der Sozialist Hollande die Präsidentschaftswahl gegen den konservativen Amtsinhaber Sarkozy gewonnen hat und die griechischen Wähler in Scharen zu den Parteien überliefen, die den Sparkurs ablehnen.

Hollande hatte angekündigt, er wolle die vor allem von Deutschland verfochtene Sparpolitik in Europa nicht unverändert weiterführen, sondern setze mehr auf Wirtschaftswachstum. Unter starken Druck gerieten in Folge der Wahlergebnisse auch der Euro und die Anleihen Frankreichs und Griechenlands. Auf ihrer Suche nach Sicherheit griffen Geldanleger erneut zu deutschen Bundesanleihen.

"Die ersten Marktreaktionen zeigen, dass die Investoren offenbar mit weniger starken Anti-Euro-Ergebnissen gerechnet haben", sagte Marktstratege Roger Peeters vom Bankhaus Close Brothers Seydler. "Ohne Zweifel wird der Wahlausgang in Griechenland für die Eurozone eine Belastung. Jetzt werden Extremszenarien, wie etwa, dass die Griechen die Eurozone verlassen könnten oder pleitegehen könnten, wahrscheinlicher. Analyst Riccardo Designori von Brown Editore bezeichnet den Wahlausgang als "Anti-Merkel-Votum". "Die Menschen in Europa haben genug von den harten Sparauflagen, die ihnen von den deutschen Politikern aufgebürdet wurden. Dies könnte eine Trendwende bedeuten."

Der Dax rutschte um bis zu 2,3 Prozent ab auf ein Dreieinhalb-Monats-Tief von 6.410,03 Punkten. Der EuroStoxx50 markierte mit 2.204,73 den niedrigsten Stand seit Ende Dezember. Der französische CAC40 gab 1,5 Prozent nach, der griechische Leitindex brach um acht Prozent ein. Die Aktienbörsen Italiens und Spaniens gaben jeweils knapp zwei Prozent nach. Zuvor hatten bereits die asiatischen Börsen teilweise knapp drei Prozent verloren. Der heimische ATX büßte bis zum späten Vormittag rund 1,2 Prozent ein.

Der Euro, der in der Nacht zeitweise auf ein Vier-Monats-Tief von 1,2955 Dollar gefallen war, übersprang zwar am Vormittag wieder die psychologisch wichtige Marke von 1,30 Dollar. Damit lag er aber immer noch einen knappen US-Cent unter dem Niveau vom New Yorker Freitagsschluss. Am Rohstoffmarkt gerieten auch die Preise für Rohöl und Kupfer unter Druck.