Erstellt am 11. Mai 2011, 12:11

Frühpensionen bei ÖBB spalten ÖVP. Sollen die Staatsbahnen ihre Mitarbeiter frühzeitig in Pension schicken und damit die eigenen Kosten dem Steuerzahler umhängen - oder doch danach trachten, dass die ÖBBler das durchschnittliche Pensionsalter der Arbeiter und Angestellten in der Privatwirtschaft erreichen?

Darüber herrscht Uneinigkeit in der ÖVP. Nachdem am Dienstag Verkehrssprecher Ferdinand Maier im "WirtschaftsBlatt" mit der Aufforderung aufhorchen ließ, dass ÖBB-Chef Kern überzählige Mitarbeiter dem Aktienrecht folgend in den Vorruhestand schicken soll, widersprach heute ÖVP-Seniorensprecherin Gertrude Aubauer.

"Sparen geht auch anders. Auch die ÖBB sollten nun 'Senior-Pools' in ihrem Unternehmen einrichten, um einen weiteren Einsatz ihrer Mitarbeiter über den 'internen Arbeitsmarkt' besser zu ermöglichen. Ein Abschieben der Kosten auf das staatliche Pensionssystem ist jedenfalls inakzeptabel", so Aubauer in einer Aussendung. Und sie rechnete vor: "Wenn wir das Antrittsalter zu den Pensionen von derzeit 58,9 auf nur 62 anheben können, spart das 1,2 Milliarden Euro."

In Richtung der Befürworter der Frühpensionierungen meinte sie wörtlich: "Wer hier nicht einsieht, dass dies eines der wichtigsten Themen der kommenden Monate ist, wer sich hier weiterhin weigert, auch bei staatsnahen Unternehmen einzugreifen und wer hier entscheidende Schritte auf den St.-Nimmerleins-Tag verschiebt, setzt die Zukunft aller Generationen im Lande aufs Spiel." In der Vergangenheit hatte sich der nunmehrige Ex-Finanzstaatssekretär Lopatka massiv gegen Frühpensionierungen ausgesprochen und sich mit den ÖBB darüber so manches Scharmützel geliefert.

BZÖ-Verkehrssprecher Christoph Hagen sieht die Volkspartei jedenfalls auf Maier-Kurs. "Mit dem neuen Parteichef Spindelegger wird die ÖVP immer mehr zum Verfechter der ÖBB-Privilegien. Während der abgelöste Staatssekretär Lopatka immer gegen das niedrige Pensionsantrittsalter gewettert hat, ist die neue ÖVP-Linie, die ÖBB-Mitarbeiter noch früher in Pension zu schicken."