Erstellt am 27. März 2013, 00:00

für beide Seiten“. Wirtschaft und eine mögliche Versöhnung mit der Landespolitik.

Stefan Ottrubay  |  NOEN, Gregor Hafner

BVZ: Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Tourismus im Land? Ist es ein Manko, dass das Angebot – speziell in der Hotellerie – noch ausbaufähig ist?
Stefan Ottrubay: Da muss man die Hotelbetreiber verstehen. Da bei uns der Tourismus im Oktober weitgehend endet, ist es in den Wintermonaten schwer. Es müssen Inhalte geschaffen werden, um die Saison zu verlängern. Da bietet der Wein gute Möglichkeiten, ebenso wie Indoor-Veranstaltungen im Kulturbereich. Da sehen wir von Esterházy eine große Aufgabe und Chance – und wir tun das ja bereits erfolgreich seit vielen Jahren. Gerade im letzten Jahr hat man das auch beim Burgenland Tourismus aufgegriffen. Es gab ja eine Zeit, in der man etwas auf Distanz zueinander war. Das war sicher nicht gut – weder für uns, noch für Burgenland Tourismus. Das läuft aber jetzt deutlich besser.

Das heißt, Sie sind mit der strategischen Ausrichtung von Burgenland Tourismus zufrieden?
Unseres Erachtens werden jetzt auch Themen aufgegriffen, die bisher nicht so sehr im Zentrum standen. Es ist allerdings auch noch einiges zu tun. Ein bisschen eigenartig ist, dass wir in der Gesamtbewerbung des Burgenlandes – zum Beispiel bei Ausstellungen – fast keine Rolle spielen. Da genügt es nicht zu sagen: Wir haben 65 Dorfmuseen. Die sind gut für die Bevölkerung vor Ort, aber selten wird ein Wiener deshalb ein Wochenende im Land verbringen. Man muss also hier die großen Ausstellungen in den Vordergrund rücken. Da gibt es schon noch Handlungsbedarf.

Die Marke Esterházy wird also zu wenig mittransportiert …
Noch nicht so stark, wie man es machen könnte. Gerade im Bereich der großen historischen Gebäude mit den Ausstellungen, die europäische Bedeutung haben – diesen Wert darf man nicht unter den Scheffel stellen.

Das hat vermutlich auch damit zu tun, dass es nach wie vor Irritationen zwischen dem Land und der Privatstiftung Esterházy gibt. Ist hier eine Lösung in Sicht?
Es wurden klare erste Schritte gesetzt, um mögliche Irritationen zu dämpfen und dann auch zu lösen. Wir bemühen uns sehr darum. Es hängt zum Teil auch damit zusammen, dass Eisenstadt selbst von der Landespolitik nicht immer so geliebt und geschätzt wird, wie man es eigentlich schätzen müsste. Als charmante, barocke Landeshauptstadt bietet sie viele Werte. Und wenn man versucht, das aus dem Tourismus auszublenden, dann fehlt ein ganz großes Stück.

Welche Schritte müsste es nun seitens des Landes geben, damit die Beziehung in Ordnung ist?
Ich glaube, das ist ein natürliches Aufeinander-Zugehen, wie in jeder guten Partnerschaft, wo man vielleicht ein oder zwei kühle Jahre gehabt hat. Diese ersten Schritte haben stattgefunden. Wir sind sehr offen und haben signalisiert, dass wir Probleme lösungsorientiert angehen wollen. Ein wesentliches Thema, über das wir seit Jahren reden, ist die Aufwertung des gesamten Schlossbezirkes in Eisenstadt.

Es scheint ein wenig, als ob Land und Esterházy nicht miteinander, aber auch nicht ohne einander leben könnten …
Also, man kann schon ohne einander leben. Aber das wäre schlecht für beide Seiten. Man muss sich halt finden. Wir haben uns vor zehn Jahren neu ausgerichtet und das war schon eine große Änderung zum historischen Esterházy, das sehr gemächlich, um nicht zu sagen unverändert, hier existiert hat. Dass man sich da ein wenig reibt und dass es funkt, das ist natürlich verständlich.

Welche Marke ist aus Ihrer Sicht stärker: Das Burgenland oder der Neusiedler See?
Man wird beide gleichwertig pflegen müssen. Aber man muss Eisenstadt als drittes Standbein mitnehmen. Dass man das Nordburgenland als eine Ansammlung von kleinen Ortschaften darstellt, die mit Radwegen verbunden sind, das ist einfach nicht genug – gerade wenn man Besucher aus dem Ausland ansprechen will. Dann braucht man handfeste Imageträger. So wie Paris mit dem Eiffelturm wirbt und London mit der Tower Bridge, hat man hier das Schloss in Kombination mit der Stadt.

Wie schätzen Sie die Entwicklung der Wirtschaftssituation – speziell auch im Burgenland – ein?
Insgesamt kann man sagen, dass Österreich – wie die anderen nördlichen Länder Europas – von der Finanzkrise eher profitiert hat. In den nächsten Jahren wird aber auch der Norden betroffen sein, weil Schritt für Schritt die Rechnung für die großen Rettungsprogramme präsentiert wird. Der Euro-Raum wird jahrelang unter Druck bleiben. Da ist es wichtig, dass man in kleinen Bereichen gut aufgestellt ist. Hier könnten Felder wie die regionale Lebensmittelherstellung einen kleinen Boom erleben. Das Zweite ist der internationale Tourismus aus Regionen, die kaufkräftig sind und bleiben werden. Das sind Touristen, die auch bereit sind, viel auszugeben. Das ist sicher eine Chance.

Könnte der Trend zur Regionalität auch in der Gesamt-Versorgung etwas ändern?
Am liebsten möchte jeder beim Bauern, quasi direkt vom Feld, seine Produkte kaufen, aber das ist ein Luxus, das ist Erlebnis-Konsum. Das hat nichts zu tun mit der Grundversorgung der Bevölkerung. Im Interesse der Preisgestaltung ist es wichtig, dass man eine große Versorgungsmaschinerie im Hintergrund hat. Wir werden unsere Gesellschaft aber nicht ausschließlich auf die direkte Versorgung ausrichten können. Gerade deshalb sind staatliche Prüfstellen wichtig.

Welche Chancen gäbe es noch für das Burgenland?
Die direkten Verkehrsverbindungen nach Wien müssen unbedingt ausgebaut werden. Eisenstadt muss als Landeshauptstadt einfach im Halbstunden-Takt mit Wien verbunden werden. Das ist kein Luxus, das ist eine Selbstverständlichkeit und dürfte gar nicht diskutiert werden. Ich hoffe, dass es in den nächsten Jahren umgesetzt wird. Das würde dem gesamten Nordburgenland einen zusätzlichen Schub geben.

Stichwort Verkehr: Sehen Sie es als persönliche Niederlage, dass die Umfahrung Schützen am Gebirge gebaut wird?
Ich glaube nicht, dass hier das letzte Wort gesprochen ist. Und dass man schon die Prioritäten sehen muss: Was bringt uns langfristig weiter und was sind kleine Interessen, die man vielleicht justament umsetzen will? Meine Erfahrungen sind schon die, dass man in der Vergangenheit versucht hat, solche Themen im kleinen Kammerl auszumachen und dann als Faktum präsentiert hat. In der heutigen Zeit geht das nicht. Man kann nicht gegen den Willen einer Region etwas durchboxen, sondern muss sich einer öffentlichen Diskussion stellen. Wenn man das schnell durchziehen will, passieren schlussendlich die Fehler.

Interview: Markus Stefanitsch