Erstellt am 17. August 2011, 14:23

Gas wird ab Oktober teurer. Gas wird wieder teurer: Kunden in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland müssen ab 1. Oktober um 3,2 bis 5,5 Prozent mehr bezahlen, teilte die EnergieAllianz, die gemeinsame Vertriebstochter von Wien Energie, EVN und Bewag/Begas, Mittwochnachmittag mit.

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Es ist bereits die zweite Preiserhöhung in diesem Jahr: Der Gaspreis ist per 1. April 2011 um durchschnittlich 9 Prozent erhöht worden. Begründet wird die Anhebung mit den höheren Ölpreisen. In Wien wird per 1. September Fernwärme teurer, gleichzeitig kommt ein neues Tarifmodell für Niedrigenergiehäuser.

Ein durchschnittlicher Haushalt mit einem Gas-Jahresverbrauch von 10.700 Kilowattstunden im Jahr zahlt in Wien künftig um rund 44,50 Euro mehr pro Jahr, in Niederösterreich um 28,60 Euro und im Burgenland um 25,70 Euro mehr, hieß es aus der EnergieAllianz (EAA).

Die Ölpreisentwicklung der vergangenen Monate wirke sich nun auch auf die Preispolitik aus, so die EAA in ihrer Pressemitteilung. Bei den langfristigen Gasbezugsverträgen wirke sich die Ölpreisentwicklung mit einer Verzögerung von drei bis sechs Monaten aus. Der Monatsmittelwert der Rohölpreise der Sorte Brent habe sich zwischen Jänner und Juli 2011 auf Euro-Basis um 12 Prozent erhöht. Diese Entwicklung führe auch für die EAA-Gruppe zu erhöhten Gasbeschaffungskosten. Die vor diesem Hintergrund betriebswirtschaftlich erforderlichen Endkundenpreismaßnahmen würden zum spätestmöglichen Zeitpunkt am 1. Oktober 2011 umgesetzt. Die EnergieAllianz hat in Österreich rund 900.000 Gaskunden.

In Wien wird per 1. September Fernwärme teurer. Ein durchschnittlicher Kunde in einer 70-Quadratmeter-Wohnung zahlt künftig um 8,2 Prozent bzw. rund 36 Euro pro Jahr mehr. Neu eingeführt wird ein Tarif für Niedrigenergiehäuser. Neukunden, deren Gebäude einen Heizwärmebedarf von maximal 50 kWh pro Quadratmeter und Jahr haben, können diesen Tarif in Anspruch nehmen. Dabei werden die fixen Grundkosten gesenkt, die verbrauchsabhängigen Bezugskosten gleichzeitig erhöht. Dadurch werden zusätzliche Anreize für ein energieeffizientes und verbrauchsbewusstes Abnahmeverhalten geschaffen, so die Wien Energie in einer Pressemitteilung. Die Kosteneinsparungen für einen Durchschnittskunden bei Raumwärme werden mit rund 50 Euro pro Jahr beziffert.

Die Gaskunden der EVN zahlen ab Oktober um 3,6 Prozent mehr. EVN-Sprecher Stefan Zach verweist darauf, dass Qualitätsanbieter auch große Gasmengen einspeichern, damit etwaige Lieferengpässe für die Kunden nicht spürbar werden. Die EVN hat rund 290.000 Gaskunden. Mehr als 20.000 Kunden sind nicht von der jetzigen Gaspreiserhöhung betroffen, sie haben entweder einen garantierten Tarif oder ein Floating-Tarifmodell gewählt.

Im Burgenland steigt der Gaspreis mit 1. Oktober laut Angaben der BEGAS um 3,2 Prozent. Für einen Kunden mit einem durchschnittlichem Jahresverbrauch von 10.700 Kilowattstunden (kWh) bedeute dies einen monatlichen Mehraufwand von 2,13 Euro, bezogen auf die Gesamtkosten (einschließlich Energiepreis, Netzgebühren, Steuern und Abgaben), so eine Sprecherin am Mittwoch.

AK kritisiert Erhöhungen
Die angekündigten Energiepreiserhöhungen in Wien, und dem Burgenland sind für die Arbeiterkammer (AK) "jetzt und in diesem Ausmaß nicht gerechtfertigt". Als Sofortmaßnahme wird verlangt, dass günstiges - nicht an den Ölpreis gekoppeltes - Gas von den Energieversorgern stärker zugekauft wird. Verteuerungen würden immer mit den steigenden Ölpreisen argumentiert, so die AK Mittwochnachmittag in einer Pressemitteilung.

Die Preisbindung von Gas an den Ölpreis sei nur eine reine Vereinbarungssache und keineswegs in allen Ländern üblich. Mittelfristig müssten daher die Energieversorger ihre Verträge ändern, das heiße Gaslieferungen vom Erdöl entkoppeln.

Die Inflation sei außerordentlich hoch, ein Drehen an der Energiepreisschraube treibe letztlich auch die Inflation weiter an. "Gerade Menschen mit wenig Einkommen werden sich bald ihre Energierechnung nicht mehr leisten können", so die AK unter Hinweis auf ihre Aussagen von Ende Juli, dass die Konsumenten ihrer Ansicht nach seit Jahren zuviel für Strom und Gas zahlen.