Erstellt am 27. August 2014, 08:23

von Bettina Eder

Gesetz: Wirbel um Liebeslohn. Die Pläne der Finanz, Prostitutionseinkünfte „normal“ zu versteuern, sorgen für Unruhe und Verwirrung im Rotlichtmilieu und bei der Gebietskrankenkasse.

Unklarheiten gibt es derzeit in der Steuerfrage für Bordelle und Prostituierte.  |  NOEN, www.BilderBox.com
Im April war das Inkrafttreten angedacht, aufgrund vieler Diskussionen gab es Nachbesserungen und einen Aufschub bis Juli. Die Auswirkungen werden allerdings erst jetzt sichtbar: Der Erlass für Sexdienstleister.

Widerspruch zwischen Jänner-Infoschreiben und Juli-Erlass

Für Prostituierte war Österreich ja bis dato ein Steuerparadies. Statt dem pauschalen Abzugssteuermodell – etwa 300 Euro monatlich – , soll nun der Liebeslohn nach den tatsächlichen Verhältnissen – nichtselbständig oder selbständig – besteuert werden.

Die Prostituierten sollen also Steuern wie jeder andere Berufstätige zahlen. In einem Informationsschreiben der Finanz im Jänner kann bei Damen in Bordellen, Animierlokalen und Saunaclubs „regelmäßig eine selbständige Tätigkeit angenommen werden“, im Juli-Erlass ist wiederum die Weisungsgebundenheit zwischen Sexdienstleisterin und Bordellchef und nicht die Art des Lokals das Kriterium.

„Da will man ein braver Steuerzahler sein und dann wollen sie dich nicht“

So oder so ist bei nichtselbständigen Damen damit natürlich die entsprechende Anmeldung bei der Gebietskrankenkasse (GKK) verbunden. Dort wurde jetzt ein Bordellbesitzer abgewiesen. „Da will man ein braver Steuerzahler sein, und dann wollen sie dich nicht“, ärgert sich ein Bordellbesitzer aus dem Nordburgenland. Sein Steuerberater hatte versucht, einige Damen nach einem Gespräch mit dem Finanzamt bei der GKK anzumelden – erfolglos.

„Die BGKK hat derzeit kein Interesse an dieser Pflichtversicherung“, so die Formulierung des Steuerberaters. Es herrscht Verwirrung in der Branche. Schon einige Steuerberater und Bordellbesitzer haben sich laut BGKK bereits gemeldet. Ob überhaupt bis jetzt jemand angemeldet wurde, kann man nicht sagen. Von einer Pauschalbeurteilung will man sich in der BGKK distanzieren: „Wir beurteilen den Einzelfall. Was ist dort gelebte Praxis? Entscheidend ist für uns, ob es eine Weisungsgebundenheit gibt.“

Gegen diese Weisungsgebundenheit wehrt man sich generell in der Branche: „Dann wäre ich ja ein behördlich genehmigter Zuhälter.“ Der Rotlichtunternehmer ergänzt: „Wenn die Finanzpolizei uns überprüft und ich hab‘ sie nicht angemeldet, dann geht der Wirbel erst los.“ Um Beruhigung ist man dabei in der BGKK bemüht, wenn eine Anzeige bzw. Meldungen käme, „kommt die sowieso zu uns und dann wird, wie gesagt, der Einzelfall geprüft.“