Erstellt am 06. Juni 2011, 13:22

Gestaffelte Lkw-Maut schädlich für Österreich. Die Autobahnmaut für Lkw nach Tageszeiten unterschiedlich hoch zu staffeln wäre schädlich für Österreich. Das besagt eine am Montag vorgestellte Studie im Auftrag der Wirtschaftskammer Österreich.

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Die Autobahnmaut für Lkw nach Tageszeiten unterschiedlich hoch zu staffeln wäre schädlich für Österreich. Das besagt eine am Montag vorgestellte Studie im Auftrag der Wirtschaftskammer Österreich. Anlass ist die Neuregelung der Lkw-Maut in Europa (Wegekostenrichtlinie), deren Verabschiedung am Dienstag ansteht.

Die Neufassung des Gesetzes erlaubt, dass in Stoßzeiten die Lkw-Maut um bis zu 175 Prozent höher ausfällt als in normalen Zeiten. Allerdings muss das gesamte Mautaufkommen unverändert bleiben, die Maut zu ruhigen Tageszeiten also entsprechend gesenkt werden. "Theoretisch" sei dies ein bestechendes Konzept, so Sebastian Kummer, Professor für Transportwirtschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien, bei der Vorstellung der Studie. Praktisch schaue das aber ganz anders aus.

Bei Preisunterschieden für die Maut bis zu hundert Prozent gäbe es praktisch keinen Effekt, weil die Umplanung der Fahrten teurer wäre als die mögliche Ersparnis, ergaben Befragungen der betroffenen Unternehmen. Aber auch bei der maximalen Spreizung wäre die Verlagerung von Verkehr minimal. Denn schon jetzt vermeiden Lkw Stau wo es geht - eine Stunde Stehen schlage mit mindestens 50 Euro zu Buche.

Sehr viele Fahrten - etwa die Belieferung von Geschäften - können aber nicht verschoben werden, weil die Kunden - die Geschäfte - die Lieferung zwischen sechs und neun Uhr am Vormittag verlangen. Auch mittelständische Unternehmen wollen zu Geschäftszeiten be- und entladen und dann fahren, und nicht den Lastwagen stehen lassen. Das würde auch bei einer höheren Maut am Vormittag so bleiben.

Profiteur der Mautdifferenzierung wäre der Transit, der ohnehin am liebsten nachts rollt. In der Maximalvariante - wenn jeden Vormittag und freitagnachmittags die Maut erhöht, dafür der Rest des Tages verbilligt wird - müssten heimische Frächter 260 Mio. Euro mehr zahlen, der Transitverkehr würde um den gleichen Betrag entlastet, rechnet Kummer vor.