Erstellt am 05. August 2011, 13:38

Getreideernte 2011 - Mehr Menge, Bauern im Plus. Die Getreideernte 2011 fällt mengenmäßig überdurchschnittlich aus, die Qualitäten sind aber aufgrund von wechselhaften Witterungsbedingungen etwas tiefer.

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 Bei den Getreidepreisen erwarte man eine Seitwärtsbewegung und größere Preisunterschiede aufgrund der unterschiedlichen Getreidequalitäten, sagte der Vorsitzende des Verwaltungsrates der Agrarmarkt Austria (AMA), Franz Stefan Hautzinger, am Freitag bei einer Pressekonferenz. "Die Stimmung unter den Bauern ist gut. Es kommt finanziell ein Plus heraus", sagte Hautzinger zur APA. Heuer dürften die Getreidebauern positive Deckungsbeiträge erzielen.

Der Weizenpreis ist im vergangen Jahr aufgrund von Exportstopps in Russland und der Ukraine sowie Überflutungen in Australien förmlich explodiert: Innerhalb weniger Monate verdoppelte er sich nahezu auf 270 Euro pro Tonne. An der Wiener Getreidebörse durchbrach der Preis für Premium- und Qualitätsweizen im Februar 2011 erstmals seit dem EU-Betritt die 300 Euro-Marke. Aktuell zahlt man an der Pariser Euronext-Börse rund 206 Euro pro Tonne.

In Österreich wurde aufgrund der extremen Trockenheit im Frühjahr mit einer geringeren Erntemenge gerechnet. Der Regen Ende Mai und im Juni rettete vorerst die Getreideproduktion, aber Mitte Juli wurde die Ernte von nasskaltem Wetter gestoppt. Es war ein Jahr zwischen "Hoffen und Bangen", erzählte Hautzinger. Ein Wermutstropfen seien die 15 Prozent der Getreideernte, die noch nicht eingebracht wurden. Bei gutem Wetter wäre die Ernte "tadellos", sonst werde es schlechtere Qualitäten geben.
 
Die Erntemengen legten heuer deutlich zu: "Mit einer prognostizierten Gesamternte von über 3 Mio. Tonnen ohne Mais und rund 5,3 Mio. Tonnen inklusive Mais wird heuer eine um 13 Prozent höhere Ernte als im Vorjahr erwartet", so AMA-Vorstandsvorsitzender Griesmayr. Die Ernte liege damit deutlich über dem langjährigen Durchschnitt, erreiche aber nicht den Rekordwert des Jahres 2008. Die österreichische Weizenproduktion legte um 15,1 Prozent im Vergleich zu 2010 auf rund 1,7 Mio. Tonnen zu und die Futtergetreide-Menge kletterte um 11,5 Prozent auf 3,4 Mio. Tonnen. Je nach Niederschlagsmenge erzielten die Getreidebauern laut AMA regional sehr unterschiedlichen Erträge.
 
In der EU stieg die voraussichtliche Getreideproduktion 2011 unter anderem aufgrund von Trockenheit nur um 0,1 Prozent auf 273,9 Mio. Tonnen. In der EU werden laut Hautzinger rund 49 Prozent der Ernte für die tierische Verfütterung verwendet und 19 Prozent für die Nahrungsmittelproduktion. Der Rest fließt in die Industrie und in die Bereiche Saatgut und Ethanol. Hierzulande sei die Verwendung ähnlich.
 
Österreich entwickle sich "schön langsam" vom Nettoexporteur zum Nettoimporteur, erinnerte Hautzinger. Für 2011/2012 erwartet die AMA einen inländische Getreideverbrauch von 5,3 Mio. Tonnen und damit noch eine ausgeglichene Bilanz. Unter anderem wegen der industriellen Stärkeverarbeitung und der Bioethanolproduktion wird sich aber dies in den kommenden Jahren ändern: Ab 2013 steigt der Verbrauch deutlich, weil der österreichische Zucker-, Stärke- und Fruchtkonzern Agrana eine Stärkefabrik im niederösterreichischen Pischelsdorf mit einer jährlichen Verarbeitungskapazität von 250.000 Tonnen Weizen in Betrieb nimmt. Auch die geplante Erhöhung der Biosprit-Beimischung in Österreich wird sich in der Versorgungsbilanz niederschlagen.

"Nur so gute Ernten wie heuer lassen Österreich ausgeglichen bilanzieren. Solange Zentraleuropa eine bedeutende Überschussregion darstellt, ist die Versorgung Österreichs mit Getreide gesichert und Österreich kann weiterhin die traditionellen Exportmärkte mit Qualitätsgetreide bedienen", sagte Hautzinger.
 
Für den Weltmarkt wird für 2011/12 eine Rekordernte und ein Rekordverbrauch prognostiziert: "Zuletzt hat der Internationale Getreiderat in London die Weltgetreideernte um 9 Mio. Tonnen auf den Rekordwert von 1,817 Mrd. Tonnen revidiert", so der AMA-Getreideexperte Christian Gessl. Der weltweite Verbrauch soll in diesem Zeitraum um 2 Prozent auf 1,829 Mrd. Tonnen wachsen und die Getreidereserven um 3,3 Prozent auf 347 Mio. Tonnen schrumpfen. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UNO (FAO) geht in Studien von einem Anstieg des Verbrauches aufgrund des globalen Bevölkerungswachstums bei Getreide und Getreideprodukten von rund 1,2 Prozent oder 22 Mio. Tonnen pro Jahr aus.