Erstellt am 23. März 2012, 13:50

Gewerkschaft kündigte Bord-KV bei Tyrolean. Die Gewerkschaft vida hat am Freitag den Kollektivvertrag des fliegenden Personals der AUA-Tochter Tyrolean gekündigt, teilte der Tyrolean-Betriebsrat mit.

Die AUA hatte zuvor im Bemühen um Gehalts- und Pensionsreduktionen den Kollektivvertrag der AUA-Piloten und Flugbegleiter gekündigt und droht damit, das fliegende AUA-Personal in den deutlich günstigeren Tyrolean-KV überzuführen.

Die Entscheidung der Gewerkschaft erfolgt allerdings gegen den Willen der davon betroffenen Belegschaft: Die Kündigung sei "ohne unser Einverständnis und ohne den Betriebsrat Bord vorher über ihr Vorhaben zu informieren" erfolgt. "Herr Gottfried Winkler von der vida hat damit eindeutig seine Kompetenzen überschritten. Die Arbeitsgrundlage von fast 1.000 Mitarbeitern aus 'taktischen Gründen' quasi als Faustpfand in die Verhandlungen zu nehmen ist eine unglaubliche Vorgehensweise und des ÖGB unwürdig" schreibt Alexandra Patzal im Namen des Tyrolean-Betriebsrates Bord. "Dass Sozialpartner gegen den Willen der Belegschaft, die sie angeblich vertreten, die Arbeitsgrundlage entreißen, ist in Österreich einmalig und stellt unseres Erachtens die gesamte Einrichtung 'Gewerkschaft' in Frage. Wir werden selbstverständlich gegen die Kündigung unseres Kollektivvertrages vorgehen. (AUA-Vorstandsvorsitzender) Jaan Albrecht hat seine Unterstützung zugesichert", betonte Patzal.

Die Gewerkschaft vida bezeichnet die Kündigung in einer Aussendung als "Vorsichtsmaßnahme" und will damit Druck für weitere Verhandlungen machen. Die Gewerkschaft will letztlich einen KV für den gesamten AUA-Konzern erreichen. Hätte man nicht gehandelt, dann hätte die AUA durch die Überführung des AUA-Bordpersonals in den Tyrolean-KV einseitig die Arbeitsbedingungen der AUA-Mitarbeiter verschlechtern können, begründete der Vorsitzende der vida-Sektion Verkehr, Gottfried Winkler, die Maßnahme.

Sobald es "gesicherte Verhandlungsergebnisse" für das fliegende Personal der AUA gebe, wäre die Gewerkschaft bereit, die Kündigung des Tyrolean-KV wieder zurückzunehmen, versprach Winkler. Bei Tyrolean sind von der KV-Kündigung rund 950 Mitarbeiter betroffen. Die am 15. Februar von der Arbeitgeberseite ausgesprochene einseitige Kündigung des AUA-KV-Bord betraf rund 2.400 Beschäftigte. Die AUA verlangt bis 5. April umfangreiche Kosteneinsparungen beim fliegenden Personal und bereitet als Alternative den Übergang des AUA-Flugbetriebs zu Tyrolean - mit automatischer Eingliederung in den Tyrolean-KV - vor.