Erstellt am 01. Juni 2012, 09:53

Gewerkschaft will mehr Zeit für Schlecker-Rettung. Der Verdi-Verhandlungsführer für die Schlecker-Insolvenz, Bernhard Franke, hat mehr Zeit für die Suche nach einem Investor gefordert.

"Wir fänden es fatal, wenn alle Chancen auf eine Rettung dieser doch noch fast 15.000 Arbeitsplätze bei Schlecker in Deutschland am Zeitdruck scheitern würden", sagte Franke im "Bayerischen Rundfunk" am Freitag kurz vor Beginn der Sitzung des Gläubigerausschusses. "Deswegen wäre viel gewonnen, wenn die Gläubiger einen längeren zeitlichen Spielraum einräumen würden." Dann könne man vorliegende Angebote intensiver prüfen und gegebenenfalls weiter verhandeln. In Österreich bangen etwa 3.000 Mitarbeiter um ihre Jobs.

Die Forderung nach einem Lohnverzicht der Belegschaft von 15 Prozent lehnte Franke ab. "In dieser Größenordnung ist ein finanzieller Verzicht für die Schlecker-Beschäftigten nicht möglich", sagte er. Verdi habe sich "alle Mühe gegeben, einen Sanierungsbeitrag der Beschäftigten zu organisieren" und "ein sehr nennenswertes Angebot gemacht". Mit einem Verzicht auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld und einer Verschiebung von Tariferhöhungen ließen sich die Personalkosten in den nächsten drei Jahren "in der Größenordnung von 8,5 bis 10,5 Prozent" senken. "Aber 15 Prozent - das geht nicht."

Der Drogeriekette droht die Zerschlagung. Am Freitag wird erneut der Schlecker-Gläubigerausschuss zusammenkommen, um über die vorliegenden Übernahmegebote für den bankrotten Konzern mit noch rund 3.200 Filialen in Deutschland zu beraten. Sollten bis dahin keine für die Gläubiger akzeptablen Offerten vorliegen, will Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz den Betrieb einstellen und den Ausverkauf starten. Die verbliebenen Mitarbeiter würden dann voraussichtlich im Juli entlassen. Geiwitz hat bereits rund 10.000 Schlecker-Beschäftigte, überwiegend Frauen, vor die Tür gesetzt. Knapp die Hälfte der Entlassenen klagen dagegen. Zu den Interessenten für eine Übernahme der weiterhin Verluste schreibenden Kette zählten zuletzt der Karstadt-Eigentümer Berggruen und Finanzinvestoren. Mit zwei Investoren werde noch verhandelt, hatte Insolvenzverwalter Geiwitz am vergangenen Freitag gesagt.