Erstellt am 22. Februar 2012, 14:36

Gewinnsprung dank Rekord-Ölpreis 2011. Der börsenotierte Mineralölkonzern OMV hat 2011 stark vom hohen Ölpreis profitiert.

 "Wir hatten im Jahr 2011 den höchsten average Ölpreis ever - 111 Dollar das Barrel, im Jahr zuvor waren es noch 80 Dollar", erläuterte OMV-Chef Gerhard Roiss am Mittwoch bei der Präsentation der Ergebniszahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr. "Wir haben bei einem Umsatz von 34 Mrd. Euro ein Ergebnis von 2,5 Mrd. Euro im Vorjahr erzielt." Die Dividende soll daher um 10 Prozent auf 1,10 Euro je Aktie angehoben werden.
 
   Der "Arabische Frühling" habe sich auf die Branche massiv ausgewirkt, berichtete Roiss von seinem ersten Jahr als OMV-Generaldirektor. Die Produktionsausfälle in Libyen, im Jemen und in Tunesien hätten zu einer Verknappung des Angebotes geführt und in der Folge zu einem starken Ölpreisanstieg. "Der Rohölpreis ist der höchste, den wir je gesehen haben", derzeit liege er bei 121 Dollar (91,5 Euro), sagte Roiss. Das hat zwar den Umsatz im Jahresvergleich um 46 Prozent in die Höhe schnellen lassen, andererseits kamen auch die Margen im Raffinerie- und Tankstellengeschäft stark unter Druck. Die Raffineriemargen sind um 37 Prozent gesunken, auch wegen vorhandener Überkapazitäten in Europa. "Damit war es wichtig, die Kostenposition zu verbessern, hier vor allem in Rumänien. Wir haben die Raffinerie Arpechim geschlossen."
 
   Einen wesentlichen Beitrag zu dem im Vorjahr erzielten kräftigen Ergebnisplus hat die rumänische OMV-Tochter Petrom geleistet. Der EBIT-Beitrag der Petrom erhöhte sich um zwei Drittel auf 1,165 Mrd. Euro. Somit kam fast die Hälfte des Betriebsergebnisses in Höhe von 2,473 Mrd. Euro (+6 Prozent) aus Rumänien. Der Periodenüberschuss stieg um 30 Prozent auf 1,572 Mrd. Euro, und das um Lagerhaltungsgewinne bzw. -verluste und Sondereffekte bereinigte CCS EBIT vor Sondereffekten verbesserte sich um 2 Prozent auf 2,509 Mrd. Euro. Der den Aktionären zuzurechnende CCS Periodenüberschuss vor Sondereffekten gab um 4 Prozent auf 1,069 Mrd. Euro nach und war damit etwas besser als erwartet.  Im vierten Quartal hatte die OMV vom hohen Ölpreis profitiert und das um Lagereffekte bereinigte Betriebsergebnis um 29 Prozent auf 730 Mio. Euro gesteigert.
 
   Zum guten Ergebnis beigetragen hat auch der Kunststoffhersteller Borealis, an dem die OMV rund 36 Prozent hält. Der Borealis-Überschuss beträgt 507 Mio. Euro, davon entfallen auf die OMV 183 Mio. Euro.
 
   Der Cash-Flow ist 2011 zurückgegangen. "Bei dem hohen Ölpreis brauchen Sie mehr für die Finanzierung der Lager", erläuterte Roiss. Für Investitionen inklusive Akquisitionen gab die OMV rund 3,1 Mrd. Euro aus. Aus der Betriebstätigkeit flossen dem Unternehmen mehr als 2,5 Mrd. Euro zu, daraus ergibt sich ein negativer Free Cash-Flow von -592 Mrd. Euro und nach Abzug der Dividende -1,034 Mrd. Euro. Der Verschuldungsgrad wurde durch die Kapitalerhöhung und Begebung einer Hybridanleihe von 46 auf 34 Prozent gesenkt.
 
   Aufhorchen ließ OMV-Chef Roiss mit der Meldung, dass man im Schwarzen Meer vor der rumänischen Küste den "möglicherweise größten Gasfund in der Geschichte der OMV" gemacht habe. Das 170 km von der Küste entfernt und in mehr als 900 m Tiefe gelegene Vorkommen werde auf 42 bis 84 Mrd. Kubikmeter geschätzt, "das ist ungefähr neun Jahre die Gasversorgung von Österreich", erläuterte Roiss die Bedeutung des Fundes. Der Anteil der OMV daran beträgt durchgerechnet etwa ein Viertel: An der "Neptun"-Bohrung ist die OMV-Tochter Petrom neben Exxon zur Hälfte beteiligt, an der Petrom wiederum hält die OMV 51 Prozent.
 
   Für das laufende Geschäftsjahr 2012 rechnet die OMV mit einem durchschnittlichen Brent-Rohölpreis über 100 Dollar (75,60 Euro) pro Fass. Die Gesamtproduktionsmenge soll heuer steigen, da die Produktionsausfälle in Libyen und in Jemen heuer "weniger gravierend erwartet" werden. Das Produktionsniveau in Libyen soll zumindest wieder auf das Niveau vor der Krise steigen. "Im Jemen ist die Sicherheitslage noch viel unsicherer", sagte E&P-Vorstand Jaap Huijskes. Man müsse nun abwarten, wie sich die Situation nach der Präsidentenwahl vom Dienstag weiter entwickle. Positiv sei, dass sich 2011 die Produktion in Rumänien und in Österreich stabilisiert habe. Bis 2014 sollen in diesen zwei Ländern 200.000 bis 210.000 boe/d produziert werden.
 
   Bis 2014 will die OMV jährlich 2,4 Mrd. Euro investieren - eventuelle Zukäufe nicht eingerechnet. Man prüfe Akquisitionsziele im Mittleren Osten, in der Kaspischen Region sowie in Afrika und bereite auch mögliche neue Markteintritte vor. Die Verkaufspläne im Tankstellen- und Raffineriebereich wurden bestätigt, bis 2014 sollen dem Unternehmen durch den Verkauf der Tankstellen in Kroatien und Bosnien sowie der 45-Prozent-Beteiligung am Raffinerieverbund Bayernoil bis zu 1 Mrd. Euro zufließen.
 
   In noch fernere Zukunft verschiebt sich das Gaspipeline-Projekt Nabucco. Die Entscheidung des Shah-Deniz-II-Konsortiums über den Pipeline-Betreiber werde aus heutiger Sicht Mitte 2013 fallen, sagte Roiss. Bisher war man von einer Entscheidung bis Juli 2012 ausgegangen. Das Gasfeld Shah Deniz II in Aserbaidschan wäre die wichtigste Gasquelle für die Nabucco-Pipeline, daher dürfte es für die Verwirklichung des Nabucco-Projekts ausschlaggebend sein, welches Pipeline-Projekt den Liefervertrag mit dem Gasfeld-Konsortium abschließt. Allerdings scheint Roiss die Nabucco nicht so sehr am Herzen zu liegen wie seinem Vorgänger Wolfgang Ruttenstorfer: "Wenn sich jetzt eine Situation ergibt, dass jemand den türkischen Teil, das ist mehr als die Hälfte, hier baut, und wir die Chance haben, unser Investment auf Europa zu beschränken, ist mir das sehr angenehm", sagte Roiss heute. Wenn es Projekte gebe, die "Nabucco anders dimensioniert, anders ausschauen lassen können, bin ich sehr, sehr aufgeschlossen", verwies er auf das Projekt TANAP, auf das sich der aserbaidschanische Staatskonzern Socar - der am Shah-Deniz-Konsortium beteiligt ist - mit der Türkei geeinigt hat.
 
   Der neue OMV-Gas-Vorstand Hans-Peter Floren, zuletzt Vorstand von E.ON Ruhrgas, tritt seinen Posten mit 1. März an.