Erstellt am 06. September 2011, 14:08

Glücksspielmarkt schrumpft, Internet-Zocken wächst. Die heimische Glücksspielbranche befindet sich im Wandel: Während die Nachfrage nach Glücksspielen insgesamt gesehen zurückgeht, wird das Zocken im Internet immer beliebter.

 |  NOEN, www.BilderBox.com (www.BilderBox.com)
 2010 sanken die Spieleinsätze um 3,4 Prozent auf rund 13 Mrd. Euro. Die Bruttospielerträge, sprich der Umsatz der Branche, gingen um 6,7 Prozent auf 1,3 Mrd. Euro zurück.

Besonders hoch war der Umsatzrückgang mit 9 Prozent bei Automatenspielen (z.B. einarmige Banditen) und mit 11 Prozent bei Spielbanken (Casinos). Aber auch Lotteriespiele waren mit minus 4,8 Prozent weit weniger gefragt als 2009. Ganz anders beim Online-Gambling: Dort stiegen die Bruttospielerträge um rund 2 Prozent auf 93 Mio. Euro. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Kreutzer Fischer & Partner, die am Dienstag vorgestellt wurde.

Dem Internet-Zocken wird laut Studie auch heuer und 2012 weiteres Wachstum bescheinigt, während es bei Automaten-Glücksspielen und den Casinos erneut zu Rückgängen kommen dürfte. In fast allen 12 Spielbanken der Casinos Austria sind die Erträge im Vorjahr geschrumpft.

Sportwetten zogen 2010 aufgrund der Fußball-WM in Südafrika an, werden 2011 und 2012 aber wieder zurückgehen.

Für die gesamte Glücksspiel-Branche wird für 2011 ein auf 12,9 Mrd. Euro gesunkener Spieleinsatz prognostiziert. Die Ausschüttungsquote wird laut Studie weiter steigen. Je höher die Quote ist, desto schlechter für die Branche, denn dieser Anteil wird an die Spieler ausgeschüttert und schmälert somit das Ergebnis der Betreiber.

Andreas Kreutzer, Geschäftsführer von Kreutzer Fischer & Partner, führt die insgesamt rückläufige Marktentwicklung auf die Verringerung des Automatenangebots, den Wettbewerb und eine inzwischen eingetretene Marktsättigung zurück. Vor allem bei Lotteriespielen sei die Sättigung erreicht und ein Plus nur durch Preiserhöhungen oder eine Steigerung der Spielintervalle zu erreichen. Kreutzer rechnet deshalb mit weiteren Preissprüngen im Herbst.

Das Automatenspiel indes werde kriminalisiert. Durch "gesetzliche Restriktionen" beim sogenannten "Kleinen Glücksspiel" tauchten immer mehr Spieler ins Internet ab. Habe es 2010 noch 13.675 Glücksspiel-Automaten in Österreich gegeben, seien es heuer nur noch 11.790. In der Automaten-Zählung von Kreutzer Fischer & Partner sind sowohl legale als auch illegale Spielautomaten miteinbezogen. Das sogenannte "Kleine Glücksspiel" ist derzeit nämlich nur in Wien, Niederösterreich, der Steiermark und Kärnten erlaubt.

Die "Soko Glücksspiel", die vom Finanzministerium ins Leben gerufen wurde, um illegalen Geräte aus dem Verkehr zu ziehen, hat bisher laut Kreutzer rund 1.100 Automaten eingezogen. Die "Soko" geht von 10.000 illegalen Geräten aus, die Studienautoren gehen hingegen von nur 3.000 bis 4.000 aus. Den stärksten Rückgang gab es in Vorarlberg, dort verschwanden zwei Drittel aller illegalen Automaten vom Markt. In Oberösterreich und Salzburg reduzierte sich die Zahl um mehr als ein Fünftel, in der Steiermark um 12 Prozent.

Scharfe Kritik übte Kreutzer an der Neuvergabe der Glücksspiel-Lizenzen: "Es ist deutlich der politische Wille zu erkennen, den Status quo beizubehalten." Bei der Lotterie-Lizenz sei ein Paket ausgeschrieben worden, das den Österreichischen Lotterien in die Hände spiele, für neue Anbieter aber eine gewaltige Eintrittsbarriere bedeute. Denn kein europäischer Anbieter verfüge über Erfahrungen in allen drei Geschäftsbereichen, also Lotterie-Glücksspiele, Online-Gambling und Automatenglücksspiel. Der Staat ist durchgerechnet mit rund 30 Prozent an den Lotterien und 33 Prozent an den Casinos Austria beteiligt.