Erstellt am 03. Februar 2012, 13:03

Griechenland braucht mehr Milliarden für Rettung. Die internationalen Geldgeber brauchen für ein neues Rettungspakt für das hochverschuldete Griechenland mehr Milliarden als bisher angenommen.

Extra-Mittel seien nötig, da die Wirtschaft in dem Krisenland schlechter laufe als erwartet, sagten EU-Diplomaten am Freitag in Brüssel. Das neue Paket könnte einen Umfang von 145 bis 150 Milliarden Euro haben.

EU und Internationaler Währungsfonds (IWF) waren bisher von 130 Mrd. Euro ausgegangen. Die "Troika" mit Experten von Kommission, IWF und Europäischer Zentralbank (EZB) verhandelt derzeit in Athen über die neuen Hilfen. Diplomaten berichteten, dass die Kommissionsvertreter in der Troika mehr auf die Budgetsanierung pochten, während die IWF-Mitglieder auf Strukturreformen drängten. Umstritten sind demnach vor allem Lohnkürzungen.

Deutlich sei inzwischen, dass die Einbeziehung von Banken und Versicherungen - sie nehmen einen Schuldenschnitt hin - nicht ausreicht, um Griechenland auf die Beine zu bekommen. "Die Privatsektorbeteiligung reicht nicht aus, um den Schuldenstand bis zum Ende des Jahrzehnts auf 120 Prozent der Wirtschaftsleistung zu drücken", sagte ein Experte.

Die Geldgeber setzen darauf, dass auch die EZB und nationale Notenbanken an Bord kommen. Da die EZB griechische Staatsanleihen unter Marktwert gekauft habe, könnte sie auf künftige Gewinne verzichten. Das Vorhaben ist aber heikel, da die Notenbanken unabhängig sind und von der Politik nicht gezwungen werden können, bei der Griechenland-Rettung mitzuziehen. Der Schritt müsste also freiwillig sein.

Aus Angst vor einem Staatsbankrott und der Wiedereinführung der alten schwachen Währung, der Drachme, haben unterdessen die Griechen nach Angaben des Finanzministeriums Milliarden in heimischen Schatullen gehortet. Seit 2009 hätten sie rund 65 Milliarden Euro von ihren Bankkonten abgehoben, 16 Milliarden davon seien ins Ausland geflossen. "49 Milliarden Euro sind in Sicherheitsfächern, in Truhen, in Kellern und Dachböden oder unter dem Bett versteckt", sagte Finanzminister Venizelos am Freitag im griechischen Parlament.