Erstellt am 26. September 2011, 12:11

Großteil aller Autofahrer ignoriert Unfallopfer. Nur 15 Prozent aller Autofahrer bleiben bei einem Unfall stehen und helfen. Das ist das Ergebnis einer ÖAMTC-Erhebung zum Thema "Zivilcourage" Ende August.

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Gemeinsam mit der Verkehrsabteilung der Polizei Burgenland hat der Club an einer Bundesstraße ein Unfallszenario simuliert, die Reaktionen der vorbeifahrenden Lenker beobachtet und ausgewertet. Warum von 246 Fahrzeuglenkern nur 38 unmittelbar reagiert und angehalten haben? "Im Vordergrund steht die Angst etwas falsch zu machen", erklärte ÖAMTC -Verkehrspsychologin Marion Seidenberger in einer Pressekonferenz am Montag in Wien.

Der Test wurde über rund zwei Stunden unter idealen Wetterbedingungen an einem Vormittag Ende August auf einem Streckenabschnitt der B50 zwischen Mattersburg und Eisenstadt durchgeführt. Der Unfallort wurde nach Angaben des ÖAMTC so gewählt, dass alle Bedingungen zum Anhalten gegeben waren. Der Streckenabschnitt war ebenfalls gut erkennbar. Ein Großteil der Lenker, nämlich 84 Prozent, haben den Unfallwagen laut Verkehrspsychologin blickmäßig wahrgenommen.

In der Einstiegsphase der Untersuchung wurde das Wrack stehend neben der Fahrbahn positioniert, das Opfer lag regungslos in der Wiese. Hier dauerte es trotz regen Verkehrs sechs Minuten, bis der erste Fahrer stehenblieb. Insgesamt haben während der gesamten Phase nur zwei von rund 70 Lenkern angehalten. Mit dem Umlegen des Wracks wirkte die Situation laut ÖAMTC dramatischer, das vermeintliche Opfer variierte sein Verhalten und setzte sich beispielsweise neben das Auto. Damit erhöhte sich zwar die Anzahl der Helfer, die Bilanz blieb trotzdem ernüchternd: Nur jeder rund siebente blieb unmittelbar stehen.

Befragt wurden im Anschluss nicht nur die Helfer, sondern auch diejenigen, die nicht angehalten haben. Neben Erklärungen der Nicht-Helfer wie "Da alle vorbei gefahren sind, fährt man genauso vorbei" und "Mir ist gleich vorgekommen, dass das gestellt war" wiesen die Antworten meist ein einheitliches Bild auf: Nur wenige Fahrer trauen sich zu, bei einem Notfall rasch und gezielt Erste Hilfe zu leisten.

"Das Wissen um Erste Hilfe ist essenziell", meinte ÖAMTC-Generalsekretär Oliver Schmerold. Deshalb schenkt der Club bis Ende des Jahres insgesamt 120 Personen, die einen Erste Hilfe Grundkurs oder Auffrischungskurs absolviert haben, ein Erste Hilfe - und Pannenset. Mitmachen kann man online unter: http://www.oeamtc.at/zivilcourage. Nach der Jugend-Kampagne "7 Schicksale - 7 Schatten" und der Aktion "So klein ohne Hut" ist die Zivilcourage-Erhebung bereits der dritte Verkehrssicherheitsschwerpunkt, den der ÖAMTC in diesem Jahr setzt.