Erstellt am 18. Mai 2011, 12:27

Großteil der Pleiten nicht krisenbedingt. Trotz Wirtschafts- und Finanzkrise waren auch im Vorjahr die meisten der 6.376 Pleitefirmen keine Krisenopfer, sondern an ihrer Insolvenz selber schuld. Nur jede fünfte Pleite wurde durch externe, also auch durch krisenbedingte Gründe verschuldet.

44 Prozent der 2010 pleite gegangenen Firmen haben schwerwiegende interne Managementfehler gemacht.

In sechs Prozent der Fälle waren betrügerische Handlungen Insolvenzauslöser, in 14 Prozent waren es Fahrlässigkeit, analysiert der Kreditschutzverband von 1870 in seiner jährlich veröffentlichten Insolvenzursachen-Statistik. Die Analyse und der Vergleich mit den Vorjahren zeige aber die zunehmende Bedeutung der außerbetrieblichen, also krisenbedingten Ursachen, so der KSV.

Viele Entwicklungen seien nicht beherrschbar, da die Unternehmen durch den zunehmenden Wettbewerb dazu gedrängt werden, mit immer schmäleren Margen zu operieren und in ihren Geschäftsmodellen immer größere Risiken einzugehen. Der Anteil der externen Ursachen erhöhte sich 2010 im Jahresvergleich von 18 auf 19 Prozent

Zu den schwerwiegenden Managementfehlern, die 2010 für 44 Prozent der Pleiten verantwortlich waren (2009: 42 Prozent), zählen an ersten Stelle Organisationsmängel. Betroffene Firmen leiden unter einem aufgeblähten Unternehmensapparat, die Zuständigkeiten und Abgrenzungen sind unklar und interne Potenziale werden hinsichtlich Produktivität oder Kostensenkung nicht ausgeschöpft.

Viele österreichische Unternehmer haben weiters keine zeitgemäße Buchführung und es fehle an strategischer Planung. So gehe, beeinflusst durch Schönwetterplanung, ein Teil der Produktion in das Lager, wodurch Liquidität gebunden werde, so der KSV. Die Produktion sei dann veraltet und verliere an Wert. Häufig werde die Zahlungsmoral ignoriert. Auch Konflikte unter den Eigentümern, vor allem bei Familienunternehmen, können zu Insolvenzen führen.

In 14 Prozent der Insolvenzfällen waren Fahrlässigkeit am Versagen schuld (2009: 15 Prozent). Persönliches Verschulden - wie überhöhte Entnahmen, Spekulationen, Vernachlässigung der Geschäftsführung oder betrügerische Handlungen - war in 6 (2009: 9) Prozent der Fälle für den Tod eines Unternehmens verantwortlich.

Darüber hinaus leiden Österreichs Unternehmen an "chronischem Kapitalmangel". 13 Prozent der Pleiten sind laut Insolvenzursachenanalyse darauf zurückzuführen. Auf sonstige Ursachen wie Krankheit, Unglücksfälle durch höhere Gewalt entfallen 4 Prozent (2009: 2 Prozent).