Erstellt am 08. Mai 2013, 09:26

Handel hat Einzug ins Internet verschlafen. Der österreichische Handel hat den Einzug ins Internet verschlafen. Nur etwa die Hälfte der Handelsbetriebe hat eine eigene Website, 15 Prozent einen Webshop.

Die Angaben stammen zwar aus dem Jahr 2010/11, dürften sich bis dato aber nur wenig geändert haben, räumte Handelsobfrau Bettina Lorentschitsch am Dienstagabend ein. "Viele wurden überrollt", sagte die Branchenvertreterin.

Das Kundenverhalten habe sich innerhalb kürzester Zeit drastisch geändert. Allein wenn man bedenke, was Handys vor drei Jahren konnten und was sie jetzt können. Das Potenzial im Internet ist groß, in einigen Jahren soll der Onlineanteil im heimischen Einzelhandel 25 bis 30 Prozent betragen, prognostizieren Experten.

Für die Wirtschaftskammer Grund genug, eine Roadshow durch ganz Österreich zu starten, um ihre Mitglieder über die Möglichkeiten des WWW zu informieren. Der Auftakt findet am 5. Juni in St. Pölten statt. Die Abschlussveranstaltung ist am 11. November in Wien. Ziel ist, dass jeder Betrieb im Netz vertreten ist - und sei es nur mit seinen Kontaktdaten und Öffnungszeiten. "Nicht jeder braucht einen Webshop oder eine App", meinte Lorentschitsch. Eine Pauschallösung gebe es nicht.

Man müsse viele stationäre Händler von dem Denken wegbringen, das Internet sei böse. "Die Grenzen zwischen online und offline werden sich immer mehr auflösen", so die Handelsobfrau. Derzeit würden noch zu viele Umsätze im Ausland generiert. "Es muss uns gelingen, das nach Österreich zu holen", sagte Sparten-Geschäftsführer Rene Tritscher. Derzeit geben die Österreicher im Internet etwa 5,5 bis 6 Mrd. Euro aus, doch nur rund 3 Mrd. Euro davon fallen auf den heimischen Handel.

Grundbedingung für funktionierenden Onlinehandel müssten "einheitliche europäische Rahmenbedingungen" sein, appellierte Lorentschitsch in Richtung Politik. Einmal mehr sprach sich die Handelsobfrau gegen die Festplattenabgabe aus. Aber auch punkto Steuern, Umweltvorgaben und Lohnnebenkosten sieht sie österreichische Betriebe im Wettbewerbsnachteil.