Erstellt am 12. Oktober 2011, 16:44

Harte Fronten bei zweiter Metaller-Lohnrunde. Die Kollektivvertragsverhandlungen der Metaller gestalten sich zäh. Dem Vernehmen nach soll sich die Arbeitgeberseite etwas bewegt haben, vor Verhandlungsbeginn lag das Angebot bei 3,1 Prozent Lohnplus und 200 Euro Einmalzahlung.

Demgegenüber steht die 5,5-Prozent-Forderung der Arbeitnehmer. Die Verhandlungen waren um 11:00 Uhr gestartet worden, am Tag zuvor hatten sich die Metallgewerkschaft Pro-Ge und die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) beim ÖGB die Streikfreigabe geholt - was bei Industrie-Chefverhandler Christoph Hinteregger für Empörung sorgte.

   Gibt es heute bzw. im laufe der Nacht auf Donnerstag keine Einigung, werden die Betriebsversammlungen, die Anfang der Woche bundesweit abgehalten wurden, wieder aufgenommen. Dann folgen Warnstreiks unbestimmter Länge. Als abgeschwächte Form wäre auch ein Überstundenboykott wie im Jahr 2009 möglich.

   Von Arbeitgeberseite hieß es am späten Mittwochnachmittag zur APA, man sei den Arbeitnehmern entgegengekommen, von der Gegenseite gäbe es allerdings keine Bewegung. Die Arbeitnehmervertreter Rainer Wimmer (Pro-Ge) und Karl Proyer (GPA) haben bereits bei der ersten Verhandlungsrunde klargestellt, sie seien nicht hier um über die Medien bekanntgegebene Vorstellungen der Industrie blanko zu unterschreiben. Damals war von einer Lohnerhöhung von plus 3 Prozent die Rede.

    Verhandlungsbasis ist die Inflationsrate der vergangenen zwölf Monate von 2,8 Prozent, zuletzt lag die Inflationsrate bei 3,4 Prozent. Die Gewerkschaften erinnerten an die Entwicklung der Lohnstückkosten in Österreich im Jahr 2011 und an die prognostizierten Daten des Wifo für 2012. Im Vorjahr legte die Stundenproduktivität in der Sachgütererzeugung um 6,2 Prozent zu, die Lohnstückkosten gingen um 3,9 Prozent zurück. Für das kommende Jahr wird eine Erhöhung der Stundenproduktivität von 5,4 Prozent erwartet, die Lohnstückkosten sollen um 1,9 Prozent sinken.

   Weiters rechneten sie vor, dass die Kapitalstruktur der Metallindustrie hervorragend sei - schließlich könnten von einer Eigenkapitalquote von 33,1 Prozent viele Betriebe nur träumen. Ganz zu schweigen von den Jahresüberschüssen, die 2010 gegenüber 2009 um 57 Prozent gestiegen sein sollen.

   Die Arbeitgeber wiederum verweisen auf die düsteren Prognosen der Wirtschaftsforscher, den Konjunkturabschwung im wichtigsten Exportmarkt Deutschland und die Euro- und Bankenkrise. Außerdem würden die 3,1 Prozent plus Einmalzahlung die Inflationsrate von 2,8 Prozent deutlich abdecken.

   Rückendeckung erhielt die Industrie heute indirekt durch die Nationalbank. Demnach gibt es im dritten Quartal nur mehr ein Plus der Wirtschaftsleistung von 0,1 Prozent und im vierten Quartal überhaupt kein Wachstum mehr, jeweils gemessen im Vergleich zum Vorquartal. Dank starkem Wachstum in der ersten Jahreshälfte ergibt sich für das gesamte Jahr 2011 aber immer noch ein Zuwachs von 2,9 Prozent - um 0,3 Prozentpunkte weniger als in der Juni-Prognose der OeNB.

   Die Metallindustrie macht 42 Prozent der gesamten Sachgüterproduktion aus. Sie erwirtschaftete 2010 einen Produktionswert von 51 Mrd. Euro und beschäftigt aktuell 161.000 Mitarbeiter. Dazu kommen knapp 20.000 Leiharbeiter. Der Frauenanteil liegt bei lediglich 15 Prozent. Zu den größten Metallunternehmen zählen die voestalpine Stahl, Magna Steyr und MAN Nutzfahrzeuge.

   Im Vorjahr einigten sich die beiden Verhandlungsteams rund um Rainer Wimmer und Karl Proyer auf Arbeitnehmerseite und Christoph Hinteregger und Alfred Hintringer auf Arbeitgeberseite auf eine Mindestlohnerhöhung von 2,5 Prozent. Damit liegt der Mindestlohn in der Metallindustrie derzeit bei 1.515 Euro brutto. Die Ist-Löhne wurden im Vorjahr um 2,3 Prozent oder mindestens 45 Euro erhöht. Bei positivem Betriebserfolg gab es zusätzlich eine Einmalzahlung von 50 bis 150 Euro. Die Lehrlingsentschädigung wurde um 2,3 Prozent angehoben. Im neuen Jahrtausend wurden im Krisenjahr 2008 die höchsten Abschlüsse erzielt (plus 3,9 Prozent), die geringste Lohnerhöhung gab es im Jahr darauf mit plus 1,5 Prozent.