Erstellt am 18. September 2013, 16:24

Hohe Löhne vertragen sich mit Wettbewerbsfähigkeit. Wettbewerbsfähigkeit ist mehr als niedrige Kosten. Viel mehr geht es darum, in einem Land gesellschaftliche Ziele zu erreichen, nämlich hohe Einkommen, Beschäftigung, sozialen Zusammenhalt und ökologische Nachhaltigkeit.

Mit diesem Konzept könne man auch international gut bestehen, forderte Wifo-Chef Karl Aiginger am Mittwoch in Wien ein Umdenken in der Wirtschaftspolitik.

In Europa seien so unterschiedliche Länder wie die Schweiz, Dänemark, Schweden, die Niederlande oder Österreich bei sozialen und ökologischen Kriterien weit vorne und zugleich erfolgreich im Außenhandel. Das Sozialsystem bringe hohe Kosten, ermögliche aber Produkte, die exportiert werden können.

Südeuropa fährt mit Niedriglöhnen schlecht

Gegenbeispiel seien südeuropäische Länder, die durch drastische Sparmaßnahmen zwar die Lohnsteigerungen der letzten zehn Jahre rückgängig gemacht haben, trotzdem aber international nicht wettbewerbsfähig sind und kein Wirtschaftswachstum erreichen, "weil sie bei anderen Leistungsfaktoren Defizite haben", meint der Wirtschaftsforscher. Das gehe von der fehlenden Berufsausbildung bis zum Rückstand bei erneuerbaren Energien.

Dänemark habe seit 1970 die Wirtschaftsleistung verdoppelt, während der Bedarf an Primärenergie nur um 4 Prozent gestiegen sei. Fossile Energieträger seien sogar um knapp ein Viertel zurückgegangen. Aber das Land sei auch sehr konsequent, selbst wenn damit Kosten verbunden seien. Ab 2016 dürfe kein Gebäude mit Gas- oder Ölheizung mehr errichtet werden. Dänemark setze auf teure Lösungen, führe aber beim Wirtschaftswachstum, alternativen Energieträgern und sozialem Ausgleich.

Regionale Cluster als wichtige Wachstumsbringer

Ein Element, mit dem qualitatives Wachstum erreicht werden kann, ist die Bildung von regionalen Spezialisierungen (Clusterbildung) in der Wirtschaft, erläuterte Christian Ketels von der Harvard Business School in der gemeinsamen Pressekonferenz mit Aiginger.

Ein guter Cluster könne nicht durch politisches Dekret auf der grünen Wiese entstehen. In Österreich seien Cluster recht erfolgreich, vielleicht deshalb, weil sie nicht von der Politik erfunden wurden. Vielmehr haben Regionen Entwicklungen unterstützt, die schon vorhanden waren, sagte Ketels.

Aiginger koordiniert das von der EU-Kommission geförderte internationale Projekt wwwforEurope, das alternative Wachstumskonzepte sucht. Die drei "w" stehen dabei für "Welfare, Wealth und Work".