Erstellt am 01. Februar 2011, 16:09

Industrie-Lobbyist Beyrer neuer ÖIAG-Chef. Der Aufsichtsrat der ÖIAG hat am Dienstag Markus Beyrer (45), den Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), zum alleinigen Vorstand der Staatsholding gewählt.

Beyrer folgt dem umstrittenen Peter Michaelis nach, der die Staatsholding seit 2001 geleitet hatte. Beyrer soll nach seinem Amtsanritt am 1. Juli ein Konzept für eine Reform der Staatsholding vorlegen. Er kassiert dafür aber weniger Gage als sein Vorgänger. Die SPÖ spottete über die ÖIAG als künftige Filiale der Industriellenvereinigung, die ÖVP lobte die Personalentscheidung. In den nächsten Monaten wird ein weiterer poltischer Schlagabtausch erwartet, wie es mit der ÖIAG weitergehen soll.

Beyrer will "die ÖIAG unter voller Beibehaltung des Privatisierungs-Know-hows stärker in Richtung einer strategischen Beteiligungsholding und eines stabilen Kernaktionärs in zentralen österreichischen Leitunternehmen weiterentwickeln". Die ÖIAG solle künftig auch die Aufgabe haben, "die relevanten Headquarterfunktionen langfristig abzusichern". Aufsichtsratschef Peter Mitterbauer bezeichnete Beyrer als "Strategen und Verhandler, dem der Umgang mit der österreichischen Industrie und deren Managern an der Schnittstelle zur Politik bestens vertraut ist".

Für den Job hatten sich rund 30 Manager beworben, drei waren in die Endauswahl gekommen - unter ihnen der frühere Telekom Austria-Chef Boris Nemsic und der scheidende OMV-Boss Wolfgang Ruttenstorfer. Die einstimmige Wahl Beyrers fand nicht den Beifall der SPÖ, die die Beteiligungsholding abschaffen und die Verwaltung der verbliebenen Anteile in die entsprechenden Ministerien verlegen möchte.

 SPÖ-Finanzstaatssekretär Andreas Schieder sieht in der Personalentscheidung nur Partikularinteressen durchgesetzt. "Wenn die ÖIAG als Filiale der Industriellenvereinigung verstanden wird, hat man offenkundig aus den Fehlern des Systems Michaelis nicht viel gelernt."

Für VP-Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner ist Beyrer "die integrative Persönlichkeit, die das Unternehmen jetzt braucht", zumal es über die Weiterentwicklung der "ja teilweise noch unterschiedliche Meinungen" gebe. Wirtschaftskammerchef Christoph Leitl sieht mit Beyrers Bestellung die ÖIAG "in besten Händen." Beyrer hatte vor seiner Bestellung zehn Jahre in der Wirtschaftskammer gearbeitet. Von 1999 bis 2002 war der heute 45-jährige studierte Jurist wirtschaftspolitischer Berater im Kabinett von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel gewesen.

Von Mitte 2002 bis Mitte 2004 leitete er die Stabsabteilung Wirtschaftspolitik der Wirtschaftskammer Österreich, bevor er ins IV-Generalsekretariat zog. Beyrer galt als ÖIAG-Wunschkandiadat von Finanzminister Josef Pröll (V).

Da die ÖIAG nur mehr drei Beteiligungen börsenotierter Gesellschaften managt, war in den vergangenen Jahren immer wieder über ihre Ausweitung zu einer "Infrastruktur-Holding" diskutiert worden. Die Verlegung von anderen (teil)staatlichen Unternehmen wie der ÖBB oder des Verbund in die Holding-neu würde freilich die Zustimmung der SPÖ zu einem neuen ÖIAG-Gesetz erforderlich machen.

Laut Staatsholding-Präsident Mitterbauer ist die Entlohnung des neuen ÖIAG-Generals "noch nicht definitiv festgelegt, er wird auf jeden Fall weniger verdienen als Dr. Michaelis." Michaelis Jahresgage von gut 700.000 Euro war einer einer der Hauptangriffspunkte gegen die ÖIAG gewesen.

 Das Generalsekretariat der Industriellenvereinigung (IV) wird künftig von einer hausinternen Doppelspitze geführt. Mit Anfang April werden der bisherige IV-Pressesprecher Christoph Neumayer als Generalsekretär und Peter Koren als Vize-Generalsekretär das Haus "kollegial führen".