Erstellt am 01. Dezember 2011, 19:02

Industrie will Kurzarbeit neu regeln. Wegen der gestiegenen Arbeitslosigkeit in Österreich - im November waren 320.000 ohne Job - werden die Rufe nach flexibleren Lösungen lauter.

Wolfgang Welser, Obmann der Industriesparte in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), will konkret die bestehende Kurzarbeitsregelung neu verhandeln, berichtet der "Kurier".

Während der letzten Krise 2008/2009 sei es über erhöhte Flexibilität und dank Kurzarbeitsbeihilfe zwar gelungen, eine größere Kündigungswelle zu vermeiden, wegen dieser Not-Maßnahmen seien aber noch heute Urlaubstage und Guthaben auf Zeitkonten erschöpft und fielen als Puffer aus. Die Branchenvertreter wollen jetzt eine "attraktivere Kurzarbeitsregelung als 2009". Vorbild ist Deutschland oder Schweiz, wo es flexiblere, für Arbeitgeber billigere Regelungen gibt. Vor allem die mitunter langen Behaltefristen nach Auslaufen der Kurzarbeit sowie Lohngarantien sind den Arbeitgebern ein Dorn im Auge.

Während WKÖ und Industriellenvereinigung rasche Gespräche auf Sozialpartnerebene einfordern, bremsen die Arbeitnehmer-Vertreter. "Die bestehende Kurzarbeitsregelung hat in Österreich zuletzt gut funktioniert, wir sehen daher keinen akuten Änderungsbedarf", sagt Arbeitsmarktexperte Josef Wallner von der Arbeiterkammer zu der Zeitung. So hätten Studien ergeben, dass die Kurzarbeit besser funktioniert habe als in Deutschland. 80 Prozent aller Betriebe hätten trotz Kurzarbeit Gewinne geschrieben. "Wenn sie jetzt höhere Beihilfen wollen, dann nur, um höhere Gewinne zu erzielen", ätzt Wallner.

Ungelöste Frage ist dem Bericht zufolge auch die Finanzierung der staatlichen Kurzarbeitsbeihilfe in Zeiten knapper Budgets. 2009 gab der Staat 150 Millionen Euro für die Kurzarbeitsbeihilfe aus, der Spielraum für 2012 dürfte sehr eng sein. "Die Kurzarbeit steht natürlich weiterhin jederzeit zur Verfügung", versucht Arbeitsminister Hundstorfer zu beruhigen.