Erstellt am 22. Oktober 2012, 12:07

Industrielle sehen deutlichen Konjunkturabschwung. Die Industriellenvereinigung (IV) erwartet das nächste Jahr eine deutliche Konjunkturabkühlung und will auch eine Rezession in Österreich nicht ausschließen.

In der aktuelle Konjunkturumfrage der Organisation zeichnen vor allem die in die Zukunft gerichteten Faktoren ein negatives Bild. Der Erwartungsindikator für die Geschäftslage in sechs Monaten stürzte von zuletzt minus 1 auf minus 21 Punkte ab. Die IV begründete die sich verschlechternden Erwartungen am Montag vor allem mit den konjunkturellen Aussichten der Eurozone.

IV-Generalsekretär Christoph Neumayer forderte die weitere Flexibilisierung der Arbeitszeiten sowie - an die Regierung gerichtet - Konjunkturmaßnahmen wie etwa die Erhöhung der thermischen Sanierung. Debatten über Erhöhungen von Steuern und Gebühren seien "eine Themenverfehlung", über eine Erhöhung der Grundsteuer könne man nur dann reden, wenn nachgewiesen würde, dass Österreichs Grundsteuer auf vergleichbarer Basis international niedrig sei.

In Sachen Arbeitszeit wollen die Industriellen den Durchrechnungszeit für Überstunden auf wenigstens zwei Jahre erhöht wissen und die bisherige tägliche Höchstarbeitszeit von zehn Stunden (legal) überschreiten dürfen. "In der jetzigen Situation geht es darum, die Stammbelegschaft in den Fabriken zu halten und womöglich auszubauen", sagte Neumayer. Die Unternehmen wollten auf keinen Fall Fachkräfte freisetzen. Die Flexibilisierungsforderungen der IV richteten sich vorwiegend an die Gewerkschaft.

Kurzarbeit gebe es derzeit nur in Einzelfällen, die könne aber wieder ein Thema werden. Dann woll man eine Angleichung des österreichischen Modells an das deutsche. Deutschen Unternehmern bringt die dortige Lösung geringfügig größere Einsparungen.

IV-Chefökonom Christian Helmenstein hält die aktuellen Wachstumserwartungen von Wifo und insbesonders IHS für "deutlich zu optimistisch". Nach Schätzung der IV wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2013 nur zwischen 0 und 0,5 Prozent wachsen. die Wifo-Prognose steht aktuell auf 1,0 Prozent, jene des IHS bei 1,3 Prozent.

Aussichten für Arbeitsmarkt düsterer

Besonders markant verschlechterte sich in der jüngsten IV-Konjunkturumfrage die Beschäftigungsaussichten. Der Indikator für den Beschäftigtenstand in drei Monaten verringerte sich von + acht aus minus 25 Punkte. Dies entspricht in etwa dem Niveau von Mitte 2009. Jedes dritte Unternehmen will derzeit Personal abbauen, während nur jedes vierzehnte Unternehmen Leute einstellen will.

Die schwache Importnachfrage in weiten Teilen Europas schlägt auf die Auslandaufträge nieder, die Auftragsbestände liegen inzwischen deutlich unterhalb der Normalauslastung.

Am besten gehe es den sogenannten "Spätzykliker"-Branchen bzw. den Bundesländern, in denen sie schwerpunktmäßig beheimatet seien, sagte Helmenstein, der als Beispiele dafür die Nahrungsmittelindustrie und Niederösterreich nannte. Schon deutlich schlechter sei die Lage in der IKT-Industrie, etwa in Kärnten.

Trotz des verhaltenen Ausblicks hat sich die österreichische Wirtschaft mittlerweile völlig von der Krise 2008/09 erholt. "Bis auf die Budgetsituation" seien zuletzt alle Werte des Jahres 2008 wieder übertroffen worden.