Erstellt am 14. März 2012, 00:00

INFOS ZU OIKOCREDIT. INTERVIEW / OIKOCREDIT, an deren Spitze der Burgenländer Peter Püspök steht, unterstützt Menschen in Entwicklungsländern mit Mikrokrediten. Schon 200 Euro helfen.

Peter Püspök, hier vor dem Kalvarienberg in Frauenkirchen, ist seit 2007 Vorstandsvorsitzender von OIKOCREDIT-Austria. Aufgewachsen ist der gebürtige Bad Ischler in Frauenkirchen, wo seine Familie immer noch das »Alte Brauhaus« betreibt. Püspök war bis 2007 Generaldirektor der Raiffeisen Landesbank NÖ-Wien.  |  NOEN, TESKE
VON DORIS SEEBACHER

BVZ: Wenn ich Ihnen jetzt 200 Euro überlasse, was kann ich damit bewirken?

Püspök: Sehr viel, denn damit kann ich schon zwei Familien helfen, eine Existenz aufzubauen. Wir finanzieren damit beispielsweise den Ankauf von Kühen, einer Nähmaschine, eines Marktstandes oder Saatgut.

 

BVZ: Was müssen die Menschen an Sicherheiten bringen?

Püspök: Die Kreditvergabe erfolgt meist ohne schriftlichen Vertrag und ohne Sicherheiten. Das Wesentliche ist, dass die Kreditvergeber vor Ort mit den Leuten über die Projekte und über die Erwartungen reden.

BVZ: Wie hoch ist die Verzinsung dieser Mikrokredite?

Püspök: Sehr unterschiedlich. Der wichtigste Faktor ist die Inflation. In den meisten Entwicklungsländern ist sie sehr hoch und daher müssen die Zinssätze daran angepasst werden. Da kann es dann schon zu einem Zinssatz von 30 Prozent kommen, der jedoch einen Kreditnehmer nicht belastet. Das Entscheidende ist, dass diese Leute mit dem Einsatz des Geldes einen sehr hohen Hebel haben. Ein Bauer kauft sich Saatgut um 100 Euro und fährt eine Ernte um 250 Euro ein.

 

BVZ: Was ist das Ziel von OIKOCREDIT?

Püspök: Vorrangig die Bekämpfung von Armut, längerfristig aber auch der Beginn des Aufbaus einer funktionierenden Bankeninfrastruktur. In Entwicklungsländern haben 85 Prozent der Menschen keinen Zugang zu normalen Bankdienstleistungen. Und Bankdienstleistungen sind ein Grundrecht für Menschen. Ohne Banken kann auch eine Wirtschaft kaum funktionieren.

 

BVZ: OIKOCREDIT wächst jährlich um bis zu 15 Prozent. Warum?

Püspök: Wenn Sie heute ihr Geld auf der Bank anlegen, wissen Sie nicht, wo es hinkommt. Bei uns wissen Sie, dass dieses Geld in die Entwicklungsländer fließt. Gerade in Zeiten der Krise ist es für viele Menschen wichtig, zu wissen, dass ihr Geld nicht nach Griechenland geht oder in Atomkraftwerke investiert wird.

 

BVZ: Es gab aber auch schon Kritik an den Mikrokrediten.

Püspök: Ja, berechtigterweise. Geschäftemacher haben sich die sozialen Motive zunutzegemacht und daraus ein kommerzielles Geschäft mit horrenden Zinsen gemacht. Bei OIKOCREDIT steht rein die soziale Motivation im Vordergrund.

 

BVZ: Was bedeutet Oiko?

Püspök: Oiko ist ein Kunstwort und hängt mit oikos (griech. Haus) und mit Ökonomie zusammen. Es soll bedeuten, dass wir alle in einem Haus leben und dass die Armut anderer Menschen keinem egal sein darf.



INFOS ZU OIKOCREDIT

Das Prinzip von OIKOCREDIT ist es, Geld von Anlegern in Form von Mikrokrediten (Kleinkrediten) in Entwicklungsländern zur Verfügung zu stellen. Die Kredite dienen ausschließlich der Armutsbekämpfung. Die Höhe der Kredite liegt zwischen 100 und 200 Euro, die Laufzeit beträgt ein- bis eineinhalb Jahre. Die Ausfallsrate liegt bei einem Prozent.

Der Großteil der Kreditnehmer (80 und 90 Prozent) sind Frauen.

Ab 200 Euro ist man dabei. Der Mitgliedsbeitrag beträgt 20 Euro im Jahr, an Dividende erhalten die Anleger derzeit zwei Prozent.

OIKOCREDIT ist derzeit in 70 Entwicklungsländern tätig.

Am Freitag, dem 16. März, lädt OIKOCREDIT zwischen 14 und 18 Uhr zu einer kostenlosen Infoveranstaltung in den Evangelischen Pfarrgemeindesaal in Eisenstadt ein. Anmeldung per E-Mail an bernhard.obojes@oikocreditaustria.at. Weiter Infos finden Sie im Internet unter www.oikocredit.at