Erstellt am 21. August 2012, 12:35

Innovation ist nicht eine Frage der Jugend. Eine alternde Gesellschaft mit einem schrumpfenden Arbeitskräfteangebot wird nicht nur massive Auswirkungen auf Unternehmen, sondern auch auf die Innovationssysteme in den betroffenen Ländern haben.

Für den Präsidenten der Industriellenvereinigung (IV), Georg Kapsch, ist Innovation allerdings "nicht unbedingt eine Frage der Jugend, sondern eine Frage der Grundeinstellung und des Engagements". Als Problem nennt Kapsch im Vorfeld der Technologiegespräche beim Forum Alpbach allerdings die "fehlende Technologieaffinität" in Österreich.

Für Kapsch sollten mehrere Maßnahmen gesetzt werden, um den Auswirkungen der demografischen Entwicklung gegenzusteuern. Es müssten durch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf mehr Frauen ins Berufsleben gebracht werden. Langfristig gehe es darum, die Menschen für Technologie zu begeistern und sie entsprechend auszubilden. Menschen sollten länger im Berufsleben gehalten werden, und um die Migration zu fördern, müsse das Land interessant sein. "Das bedeutet, dass die Gesellschaft offener sein muss und dass wir die Rot-Weiß-Rot-Card im Ausland mehr bewerben müssen", sagte Kapsch.

Sorgen bereitet dem IV-Präsidenten die fehlende Technologieaffinität in Österreich: "Wir haben keine Begeisterung und Neugierde in technischen Feldern." Angesetzt werden müsse bereits im Kindergartenalter und in den Volksschulen, "mit 14 oder 15 Jahren begeistern Sie kaum noch jemanden für irgendetwas, das ist vorher geprägt und dort machen wir die Fehler".

Kapsch fordert daher, bereits bei der Lehrerausbildung einiges zu tun: "Die Pädagogen müssen das Thema Innovation verstehen lernen und die Brücke zur volkswirtschaftlichen Bedeutung erkennen, weil nur dann können sie den Schülern erklären, wozu das alles gut ist."

Forschungspolitisch sieht der IV-Präsident die Stagnation bei den Forschungsaufwendungen problematisch. Diese Entwicklung alleine auf die Wirtschaftskrise zurückzuführen, sei eine "zu einfache Begründung, weil dann hätte es in allen Ländern so sein müssen und Österreich hätte nicht im Innovationsranking zurückfallen dürfen". Die Abflachung der Wachstumskurve bei den Forschungsaufwendungen habe langfristig Auswirkungen auf die Beschäftigung, "denn die Technologie ist die Basis für die langfristige Sicherung von Arbeitsplätzen."

Wo die Gründe für die Entwicklung liegen, sei noch näher zu analysieren, meint Kapsch. Jedenfalls müsse für die Universitäten wesentlich mehr getan und die Kooperation zwischen Unis und Wirtschaft verstärkt werden. Zudem sei Österreich "nicht gerade ein beliebtes Zuzugsland für Forscher", wie eine Wifo-Studie Anfang des Jahres gezeigt hat. Während laut dieser Untersuchung finanzielle Aspekte dafür eher eine untergeordnete Rolle spielen, glaubt Kapsch schon, dass auch die Einkommensmöglichkeiten eine Rolle spielen, ebenso wie die eingeschränkten Karrieremöglichkeiten. Zudem würden viele Forscher irgendwann einmal auch die Gründung von Spin-Offs erwägen - und "da ist Österreich nicht stark, das ist eines unserer Hauptprobleme". Als Gründe dafür sieht Kapsch einerseits die mangelnde Risikofreudigkeit, andererseits das Thema des dafür nötigen Kapitals, "da haben wir keine Kultur".

Kritisch sieht Kapsch die "Input-Betrachtung" in der Forschungspolitik. Sowohl die EU als auch Österreich würden sich Ziele bei der Forschungsquote setzen, Österreich will etwa seine Forschungsausgaben bis 2020 auf 3,76 Prozent des BIP steigern. "Die Frage ist aber, ob nicht eine Output-Betrachtung besser wäre - zu sagen, was will ich in welchen Segment erreichen", etwa bei Patenten oder Hochschulabsolventen. Dann werde sich herausstellen, ob das Prozent-Ziel passe.