Erstellt am 31. Dezember 2013, 23:59

von Bettina Eder und Wolfgang Millendorfer

„In Wachstum investieren“. Interview II / Energie-Burgenland-Vorstandssprecher Michael Gerbavsits über Nachhaltigkeit, neue Geschäftsfelder, Kundentreue und die Aufarbeitung der Causa BEGAS.

Energie-Burgenland-Vorstandssprecher Michael Gerbavsits: „Das Land war österreichweit am besten auf die Energiewende vorbereitet.“Eder  |  NOEN, bE

BVZ: Seit mehr als einem Jahr sind BEWAG und BEGAS in der Energie Burgenland fusioniert. Wie sieht eine erste Bilanz aus?
Michael Gerbavsits: In den vergangenen drei Jahren haben wir im Unternehmen vielfältige Aufräumarbeiten getätigt. Wir haben uns von Beteiligungen getrennt, die nicht zu unserem Kerngeschäft gehören, und zugleich wichtige Weichenstellungen für die Zukunft des Unternehmens getroffen. Mit der Fusion wurde ein wesentlicher Schritt gesetzt, damit es im Burgenland einen großen, einheitlichen Energie-Dienstleister gibt. Wir haben auch geschafft, was andere Länder nicht schaffen: Es war ganz wichtig, den Ausbau der erneuerbaren Energien und den Netzausbau zu synchronisieren. Damit sind wir nicht nur beim Energie-Ausbau Vorreiter und haben im Land die rechnerische Strom-Autarkie erreicht, sondern haben auch die entsprechenden Netz-Kapazitäten rechtzeitig errichtet.

Welche Schritte sollen nun für die Zukunft gesetzt werden?
Jetzt geht es darum, den Wachstumskurs der Energie Burgenland zu intensivieren und neue Geschäftsfelder zu finden. Dadurch, dass wir österreichweit am besten auf die Energiewende vorbereitet waren, haben wir auch gute Ausgangschancen. Ganz wichtig sind auch die zusätzlichen Serviceleistungen, die den Kunden geboten werden. In diesem Zusammenhang ist das Thema Energieeffizienz ein besonders wichtiges. Die Energiewende besteht nicht nur im sukzessiven Umstieg auf erneuerbare Energieträger, sondern auch im Sparen von Energie. Die Herausforderung ist nun, aus dieser Energieberatung ein nachhaltiges Geschäftsmodell zu machen. Ein Pilotprojekt mit burgenländischen Gemeinden wurde bereits gestartet und soll auf alle Kommunen ausgedehnt werden. Die umfassende Energieberatung wird aber vor allem auch privaten Haushalten angeboten.

"Bedeutung der Windkraft bleibt aber weiterhin bestehen"

Wie geht es mit der Windkraft weiter, nachdem die Energiewende nun erreicht wurde?
Die zweite Ausbauphase läuft ja bereits. Ende des Jahres wird es dann rund 225 Windräder geben, die der Energie Burgenland gehören. Der große Ausbau wird dann vorbei sein, die Bedeutung der Windkraft bleibt aber weiterhin bestehen. Generell wird die Erzeugung von Energie ein wesentliches Standbein werden. Neben weiteren Windprojekten wollen wir in den nächsten Jahren auf den Ausbau der Photovoltaik setzen. Hier werden wir mit der Firma Güssinger Mineralwassser ein neues, innovatives Projekt vorstellen, bei dem sich die Photovoltaik-Anlage von selbst rechnet. Dieses Modell können wir auch anderen Unternehmen anbieten.

Wie wichtig ist der Bereich Ökomobilität für die Zukunft?
Diesen Bereich wollen wir auch weiterhin ausbauen. Ein Großteil unseres Fuhrparks wurde bereits auf Strom- und Erdgasautos umgestellt und das ist deutlich günstiger. Die Elektromobilität ist derzeit zwar eher in Ballungsräumen ein Thema, wird auf lange Sicht aber auch im ländlichen Raum immer interessanter. Das Tankstellennetz für Erdgasmobilität ist hingegen bereits sehr gut ausgebaut.

"100 Prozent Ökostrom aus Österreich"

Die Statistik zeigt, dass viele Österreicher bereit sind, den Stromanbieter zu wechseln. Haben Sie hier Sorge vor der Konkurrenz?
Der liberalisierte Markt ist eine Tatsache. Wir bekennen uns dazu, dass wir kein Billigstanbieter sind, aber wir bieten faire Preise und liefern unseren Kunden zu 100 Prozent Ökostrom aus Österreich. Unter allen Landesenergieversorgern haben wir die niedrigste Wechselrate. Die Burgenländer haben große Treue zur Energie Burgenland und dieses Vertrauen wollen wir tagtäglich rechtfertigen.

Mit Spannung wird der Prozess gegen Ex-BEGAS-Vorstand Rudolf Simandl erwartet. Ist die Aufarbeitung seitens der Energie Burgenland abgeschlossen?
Wir haben intensive Sonderprüfungen beauftragt und die Aufarbeitung sehr konsequent durchgezogen. Die Prüfungen sind abgeschlossen und wir haben alles getan, um hier Licht ins Dunkel zu bringen. Wir haben uns im Zuge der Untersuchungen auch von einigen Mitarbeitern getrennt. Die strafrechtliche Komponente ist jetzt Sache der Staatsanwaltschaft. Uns ist es ganz wichtig, dass wir jeden einzelnen Euro, der dem Unternehmen entwendet worden ist, zurückbekommen. Wir haben schon Zivilklagen im Umfang von 2,8 Millionen Euro eingebracht und es werden aufgrund der Ergebnisse der Sonderprüfungen weitere Klagen folgen. Wesentlich war, dass wir von Anfang an aktienrechtliche Sonderprüfungen durch externe Experten veranlasst haben. Unser Anspruch war, transparent die Vergangenheit aufzuarbeiten, damit wir als neues Unternehmen Energie Burgenland durchstarten können.

Interview: Millendorfer / Eder