Erstellt am 05. April 2012, 21:17

IWF warnt Portugal vor übertriebenem Sparkurs. Bei einer unerwartet heftigen Rezession sollte Portugal nach Einschätzung des IWF den Sparkurs nicht noch weiter verschärfen.

In diesem Fall sei die Verfolgung der mit EU und IWF vereinbarten Defizitziele möglicherweise nicht ratsam, warnte der Internationale Währungsfonds am Donnerstag.

Der IWF ging zwar nicht so weit, eine Lockerung der Sparziele für das Land unter dem Rettungsschirm zu fordern. Die Experten zeigten sich jedoch besorgt über den Rückgang der Nachfrage aus dem Ausland sowie die wirtschaftlichen Folgen der Einsparungen. Die Geldgeber aus der EU hatten bisher eine strikte Einhaltung der Ziele gefordert.

Portugal steckt derzeit in der schwersten Rezession seit den 70er Jahren. Sowohl die Regierung als auch die EU-Gläubiger gehen davon aus, dass die Wirtschaft in diesem Jahr um mehr als drei Prozent schrumpfen wird und auch 2013 kaum wachsen wird. In dem IWF-Bericht zu Portugal heißt es weiter, dass die in diesem Jahr angepeilten Defizitziele grundsätzlich weiter erreichbar seien. Zudem sei das Rettungsprogramm im Gesamtvolumen von 78 Milliarden Euro ausreichend, weil sich das Land wie geplant voraussichtlich 2013 wieder voll auf dem Finanzmarkt finanzieren könne.

Der IWF hatte erst am Mittwoch die Auszahlung von mehr als fünf Milliarden Euro aus dem Rettungsprogramm für Portugal freigegeben und dem Land dabei Fortschritte bei Haushaltsreformen wie dem Umbau staatlicher Unternehmen attestiert. Lissabon platzierte am gleichen Tag erstmals seit April 2011 eine Staatsanleihe erfolgreich an den Märkten.

Möglicherweise werde es erforderlich sein, dass die europäischen Partner Portugal eine "adäquate Unterstützung" zukommen ließen, heißt es in einem Zwischenbericht des IWF zu den im vergangenen Mai bewilligten Finanzhilfen. "Ungünstige Entwicklungen" in anderen Ländern der Euro-Zone könnten das Vertrauen untergraben und die Rezession in Portugal verstärken.