Erstellt am 21. Oktober 2011, 11:17

Jeder 3. Pensionszugang krankheitsbedingt. Ein Drittel aller Pensionsantritte, rund 30.000 Personen pro Jahrgang, geht auf gesundheitliche Gründe zurück und daraus resultieren Zahlungen in der Höhe von knapp drei Milliarden Euro. Das geht aus dem Fehlzeitenreport 2011 hervor, der am Donnerstagabend präsentiert wurde.

 |  NOEN, www.BilderBox.com
Die unselbstständig Beschäftigten waren in Österreich im Jahresverlauf 2010 durchschnittlich 12,9 Tage im Krankenstand (2009: 13,2 Tage).

Der Fehlzeitenreport erscheint jährlich, heuer zum vierten Mal, und ist eine Kooperation von Wirtschaftskammer, Arbeiterkammer Wien, dem Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger sowie der AUVA. Den Schwerpunkt des diesjährigen Berichts bildet eine Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Krankenständen und dem krankheitsbedingten frühzeitigen Austritt aus dem Erwerbsleben.

Etwa jeder dritte Neuzugang in die Pension geht auf gesundheitliche Gründe zurück. Die Zahlungen für Invaliditätspensionen belief sich dabei auf 2.923 Mio. Euro. Gesundheitlich bedingte Austritte aus dem Erwerbsleben sind stark an eine Verschlechterung des gesundheitlichen Zustands unmittelbar vor Pensionsübertritt gekoppelt, heißt es im Bericht. So seien etwa gemessen an der Gesamtheit aller oberösterreichischen Neuzugänge in die Invaliditätspension im Jahr 2008 über 40 Prozent der Personen am Stichtag der Pensionszuerkennung krankgeschrieben gewesen.

32 Prozent aller Neuzugänge bei den krankheitsbedingten Frühpensionierungen erfolgen mittlerweile aus psychischen Gründen, 2004 lag dieser Anteil noch bei 24 Prozent so Alice Kundtner, Direktor-Stellvertreterin der AK Wien. "Aufgrund dieser besorgniserregenden Entwicklung muss so frühzeitig wie möglich mit Maßnahmen der gesundheitlichen Rehabilitation begonnen werden", erklärte Kundtner.

Die Krankenstandsquote belief sich im Vorjahr auf 3,5 Prozent (2009: 3,6 Prozent). Es handelt sich dabei um das Maß der Zahl an Krankenstandstage im Verhältnis zu den Tagen in Beschäftigung. Erstmals lag sie bei den Männer mit 3,5 Prozent geringfügig unter jener der Frauen mit 3,6 Prozent. 2010 waren Beschäftigte im Schnitt 12,9 Tage krankgeschrieben. 1990 belief sich dieser Wert auf 15,2 Tage, im Jahr 2000 auf 14,4 Tage. Der leichte Rückgang im Vergleich zu 2009 (13,2 Tage) sei ebenso überraschend wie davor der Anstieg im Krisenjahr 2009, so der Studienautor und Wifo-Experte Thomas Leoni. Normalerweise steigen bzw. sinken die Fehlzeiten parallel zum Konjunkturzyklus. Er kam auch zu dem Ergebnis, dass in den vergangenen zweieinhalb Jahren der Anteil der Verletzungen an den Krankenstandsdiagnosen kontinuierlich stieg.

Ein bedeutender Teil der Invaliditätspensionisten hat schon geraume Zeit vor dem Eintritt in den Ruhestand mit Schwierigkeiten am Arbeitsmarkt zu kämpfen. Nur 30 Prozent der Personen mit einem Pensionsneuzugang im Jahr 2008 waren in den fünf vorangegangenen Jahren durchgehend beschäftigt.

Leoni erklärte: "Die vorliegenden Ergebnisse bestätigen, dass im Falle einer Überlagerung von gesundheitlichen Problemen und Arbeitslosigkeit die Wahrscheinlichkeit eines Übertritts in die Invaliditätspension besonders hoch ausfällt." Strategien zur Reduktion des Invaliditätsrisikos sollten demnach nicht nur früh greifen, sondern auch einen Mix an Maßnahmen vorsehen. Neben der Gesundheit der Arbeitskräfte müsse auch die Beschäftigungssituation sowie das Arbeitsumfeld beachtet werden.