Erstellt am 19. Dezember 2011, 11:17

Jeder achte Verkehrsunfall wegen Ablenkung. Bereits jeder achte tödliche Verkehrsunfall in Österreich passiert wegen Ablenkung, berichtete der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) in einer Presseaussendung am Montag. Laut einer Untersuchung des VCÖ hat sich dieser Anteil seit dem Jahr 2005 fast verdoppelt.

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Zurückzuführen sei dies auf die massive Zunahme von Telefonieren am Steuer. Der VCÖ verwies in diesem Zusammenhang auf eine Studie aus den USA, wonach auch Telefonieren mit Freisprecheinrichtung das Unfallrisiko um das Vierfache erhöht.

"Wer beim Autofahren telefoniert, reagiert ähnlich schlecht wie ein Alkolenker mit 0,8 Promille. Bisher ging man in Österreich davon aus, dass das Telefonieren mit Freisprecheinrichtung weniger gefährlich wäre. Doch nun zeigen umfangreiche Untersuchungen, dass es de facto keinen Unterschied gibt, ob mit oder ohne Freisprechanlage telefoniert wird", so VCÖ-Expertin Bettina Urbanek. Laut der Analyse des Verkehrsclub hat sich der Anteil der tödlichen Verkehrsunfälle, die durch Ablenkung verursacht wurden, von sieben Prozent im Jahr 2005 auf zwölf Prozent 2011 fast verdoppelt.

Laut dem Verkehrsclub wurden im Vorjahr 128.221 Autofahrer in Österreich beim Telefonieren am Steuer erwischt und angezeigt. Die meisten in der Steiermark (28.352) und in Wien (26.844). Dies bedeute laut dem VCÖ aber nicht, dass in der Steiermark und in Wien beim Autofahren mehr telefoniert wird, sondern dass die Exekutive hier mehr kontrollieren würde.

Laut dem VCÖ wurden in den USA mehr als 300 Studien zu den Folgen von Telefonieren am Steuer ausgewertet. Keine kam demnach zum Ergebnis, dass mit Freisprechanlage das Unfallrisiko im Vergleich zum Telefonieren mit dem Handy am Ohr sinken würde. Zum gleichen Ergebnis kam laut dem Verkehrsclub eine Studie für die schwedische Regierung. Der VCÖ verwies auch auf zwei Studien aus Australien und Kanada, wonach das Unfallrisiko durch Telefonieren auf das Vierfache steigen würde, egal ob mit oder ohne Freisprecheinrichtung.

"Beim Autofahren sollte man mit dem Mobiltelefon genauso umgehen wie im Kino oder im Theater: Ausschalten", so Urbanek. Das Bewusstsein über die Gefahren von Telefonieren am Steuer würde in Österreich fehlen. Der VCÖ forderte eine umfassende Kampagne gegen Telefonieren am Steuer und eine stärkere Kontrolle des bestehenden Verbots. Zudem soll Telefonieren am Steuer als eigene Unfallursache bei der Unfalldatenerfassung registriert werden. Wenn es durch Bewusstseinsarbeit zu keiner Verhaltensänderung komme, muss aus Sicht des VCÖ auch in Österreich über ein absolutes Telefonierverbot beim Autofahren diskutiert werden, hieß es in der Aussendung.


VCÖ: Im Vorjahr fast 130.000 Anzeigen wegen Handy am Steuer
(Anzahl Anzeigen wegen Telefonieren ohne Freisprechanlage)

Steiermark: 28.352
Wien: 26.844
Oberösterreich: 19.799
Niederösterreich: 15.720
Kärnten: 12.156
Tirol: 11.908
Salzburg: 6.940
Vorarlberg: 4.318
Burgenland: 2.184
Österreich: 128.221
Quelle: BMI, VCÖ 2011