Erstellt am 14. August 2013, 14:15

Jeder fünfte Arbeitsvertrag ist "all in". Schon lange haben nicht mehr nur hochbezahlte Manager sogenannte All-in-Verträge, in denen von Normalarbeitszeit bis Überstunden alles abgegolten wird.

Laut Statistik Austria ist bereits jeder fünfte Arbeitsvertrag "all in". Sogar bei Hilfskräften, Handwerkern oder Verkäuferinnen ist das keine Seltenheit mehr. Sozialminister Hundstorfer fordert Einschränkungen und Transparenz, aber kein Verbot.

Sozialminister: "All In" hebelt Kollektivvertrag aus

Der Sozialminister will vermeiden, "dass Leute, die 20 Stunden Pauschale haben, permanent 40 machen", wie er am Mittwoch sagte. In diesen Fällen müsste es weitere Zuzahlungen geben. Durch All-in-Verträge werde indirekt der Kollektivvertrag ausgehebelt, und die Menschen würden auf die Gesamtarbeitszeit gerechnet unter KV bezahlt.

Einem Elektriker zum Beispiel, der einen All-in-Lohn von 2.500 Euro bekommt und im Monat regelmäßig 30 Überstunden leistet, entgingen im Jahr 3.600 Euro, rechnet das Sozialministerium vor: Der branchen- bzw. ortsübliche Lohn liege bei 2.200 Euro, die Überstundenpauschale beträgt hier also 300 Euro. Mit diesen 300 Euro würden aber nur 15 Überstunden im Monat abgegolten, der Arbeitnehmer bekomme daher monatlich 15 Überstunden im Wert von 300 Euro nicht abgegolten.

Der Grund: Der Stundenlohn für die Normalarbeitszeit beträgt in dem Rechenbeispiel 12,71 Euro, der Überstundenlohn das 1,5-Fache, also 19,07 Euro. Und 300 Euro geteilt durch 19,07 Euro macht mehr als 15 Stunden.

Höchster Anteil bei Managern, Hundstorfer will Transparenz

Am höchsten ist der Anteil an All-in-Verträgen bei Managern: Von den 130.900 Führungskräften brauchen 54,6 Prozent keine Stunden zu schreiben. Trotzdem entfällt nur ein Siebentel aller All-in-Verträge auf Manager, aber 17 Prozent auf Hilfskräfte, gibt Hundstorfer zu bedenken. "Das war nicht geplant, auch nicht, dass das im Verkaufs- und Dienstleistungsbereich angewandt wird."

Die Lösung, die Hundstorfer vorschwebt, ist Transparenz. Im Arbeitsvertrag solle klar ausgewiesen werden, wie viele Überstunden durch die Überzahlung abgedeckt sind und ab wann man eigentlich gratis arbeiten würde. Ganz abschaffen will Hundstorfer die All-in-Verträge aber nicht, wie er betonte.

Der Koalitionspartner will von einem All-in-Verbot für normale Angestellte offenbar nichts wissen: Wenn Hundstorfer bei den Regierungsverhandlungen eine konkrete Regelung zu All-in-Verträgen ansprechen wolle, könne man das Rahmen eines Gesamtpakets diskutieren, ließ Wirtschaftsminister Mitterlehner ausrichten. Beide Minister gehen also offenbar fix davon aus, dass sie der nächsten Regierungsmannschaft angehören.