Erstellt am 02. Juli 2012, 12:17

"Jugendmonitor": Junge Österreicher "keine No-Future-Generation". 79 Prozent der 14 bis 24 Jahre alten Österreicher schauen zuversichtlich in die Zukunft. Eine knappe Mehrheit ist zudem der Meinung, die Jobsuche in Zukunft relativ leicht zu bewältigen.

67 Prozent sehen nach einer Lehre gleiche oder gar bessere Jobchancen als mit einer anderen Ausbildung. Allerdings - und das ist ein Wermutstropfen im am Montag von Wirtschafts- und Jugendminister Reinhold Mitterlehner und Politikwissenschafter Peter Filzmaier vorgestellten "Jugendmonitor" mit Fokus Arbeit - wollen gleich zwei Drittel der 800 Befragten "in Zukunft in der Nähe meines jetzigen Wohnortes arbeiten".

"Am Wohnort zu beharren, ist nicht das, was in der beruflichen Praxis gefordert wird", kritisierte Mitterlehner. "Wir wollen die jungen Menschen motivieren, mehr Mobilitätsbereitschaft in der Berufswelt zu zeigen." Das solle etwa durch die Erleichterung von Auslandspraktika - auch für Lehrlinge, nicht nur Schüler - gelingen. Angesichts steigender Konkurrenz am Arbeitsmarkt und den Anforderungen der Unternehmen seien eine höhere Beweglichkeit und das Sammeln internationaler Erfahrungen ein Gebot der Stunde. "Die Mobilität scheint gering, die Heimatverbundenheit hoch", konstatierte Filzmaier. Aber immerhin 19 Prozent wollen - "wenn möglich" - in Zukunft im Ausland arbeiten.

Insgesamt zeige die aktuelle Umfrage, dass Österreichs Jugend "keine No-Future-Generation ist", so Filzmaier. Fast drei Viertel der Befragten sind neben dem positiven Blick in die Zukunft der Meinung, in ihrer Ausbildung gut auf das Berufsleben vorbereitet worden zu sein. Die 24 Prozent, die angaben, in der Ausbildung nicht ausreichend auf das Berufsleben vorbereitet worden zu sein, gaben zu fast zwei Drittel an, nicht berufs- bzw. praxisbezogen ausgebildet worden zu sein. "Eine Einmahnung", so Filzmaier.

Hoch angesehen scheint vor allem die Lehre: Knapp mehr als Zwei Drittel glauben, mit dieser gleiche oder gar bessere Jobchancen zu haben, als mit anderen Ausbildungen. 56 Prozent gehen davon aus, zumindest gleich gute Berufschancen wie mit der Matura zu erlangen; 19 Prozent glauben an noch bessere Möglichkeiten am Arbeitsmarkt durch den Lehrabschluss.

"Vor allem in wirtschaftlich schwierigen Zeiten dürfte dieser Wert hoch sein. Da wird die Konkretheit des Lehrberufes - die an und für sich auch als einengend gesehen werden könnte - wohl höher eingeschätzt", sagte Filzmaier. "Die duale Ausbildung (Lehre und Berufsschule, Anm.) wird mit Sicherheit verbunden. Man weiß, wohl auch von den Eltern: Mit einer ordentlichen Ausbildung kommt man gut durch das Leben und kann noch weitere Ausbildungen anhängen", so Mitterlehner. Die Lehre sei auch ein "sicherer Anker in der Krise - alles andere als eine Sackgasse".

Der positive Blick der Jugend in die Zukunft mit 79 Prozent ist aktuell auch um drei Prozent über dem erhobenen Wert von Dezember 2011. Auch die Frage, wie die Stimmung im Freundeskreis eingeschätzt wird, wurde diesmal zu 75 Prozent mit sehr bzw. eher zuversichtlich beantwortet. "Die jungen Leute lassen sich von der Finanz- und Eurokrise nicht anstecken", sagte Mitterlehner. Er hoffte in Sachen positiver Zukunftssicht der Jugend auf eine sich selbst erfüllende Prophezeiung für Österreichs Wirtschaft.

Der "Jugendmonitor" des Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie und Jugend (bmwfj) wurde seit 2010 zum siebenten Mal durchgeführt. Verantwortlich zeichneten sich das Institut für Strategieanalysen und das Österreichische Gallup Institut. Die Schwankungsbreite beträgt plus/minus 3,5 Prozent.