Erstellt am 02. April 2013, 12:41

Kälte bringt Landwirten "Akkordarbeit". Noch fürchten die heimischen Bauern - egal ob Wein-, Acker- oder Obstbauern - noch keine negativen Auswirkungen des lang anhaltenden Winters heuer.

Vielmehr stellt man sich auf eine besonders intensive Arbeitsphase ein, wenn es warm wird und die Pflanzen sprießen: "Weil man derzeit wegen des Wetters ja schon in Verzug ist", wie Günther Rohrer, Referatsleiter Pflanzliche Erzeugnisse in der Landwirtschaftskammer, im Gespräch am Dienstag für die Ackerbauern erklärte. Man habe zwar "Zeit verloren", befürchte derzeit aber keine negativen Auswirkungen des langen Winters - erst gegen Ende April.

Weinbau-Experte Anton Kremser sah ob des Wetters sogar Chancen auf eine besonders gute Traubenernte heuer. Auch die Weinbauern erwarten "Akkordarbeit", wenn es tatsächlich Frühling wird.

Die Ackerbauern haben laut Rohrer zwar rund einen Monat Zeit verloren. "Jetzt wären im Normaljahr Sommerdurum und Sommergersten schon ausgebracht, Grünlandwirte hätten ihre Güllelager nach dem Winter bereits geleert - was heuer noch nicht der Fall ist." Positiv sei aber, dass ausreichend Feuchtigkeit für die Pflanzen vorhanden sei. "Wenn das Wetter im weiteren Verlauf passt, also Mai und Juni warm sind, und die Niederschläge gut wechseln, dann ist in Sachen Ernteerwartungen noch alles offen", beruhigte Rohrer.

In den 1980ern habe es im Frühjahr einmal eine ähnliche Wettersituation gegeben, "da gab es am Ende sogar eine überdurchschnittliche Ernte", so Rohrer. Haupt-Herausforderung ist demnach der "derzeitige Arbeitsstau, der aufgeholt werden muss". Problematisch werde es, wenn im April nicht mehr gesät werden könne; dann würde Saatgut "überlagert", gleich mit dem Maisanbau begonnen.

Auch beim Wein könne sich das für die meisten Menschen doch schon betrübliche "Frühlingswetter" noch positiv auf das Wachstum auswirken, erklärte Kremser. Üblicherweise komme es nämlich im Mai oder Juni - wegen Kaltwetters - zu einer Wachstumspause des Weins, "in der sich Schädlinge wie etwa die Kräuselmilbe rascher vermehren, als der Wein wächst"; wenn es später warm werde, sei aber ein Kälteeinbruch unwahrscheinlicher, dann könne der Wein "im Wachstum durchschießen und sich besonders gut entwickeln", hoffte Kremser auf einen zwar späteren Austrieb, dann aber rascheres Wachstum.

"Jetzt über einen negativen Vegetationsverlauf zu sprechen, dafür ist es noch viel zu früh", sagte der steirische Weinbau-Experte. Die "zur genüge vorhandene Winterfeuchte ist sicher auch nicht negativ". Aber auch den Weinbauern stünde ein "Arbeitsstau" bevor, wenn die Natur beginnt zu erwachen. Mehrarbeit ist etwa ob der doch starken Feuchte für manche zu erwarten: Man kann zum Vegetationsstart nur zu Fuß zum Wein, da Fahrzeuge den feuchten Boden zu stark beschädigen würden. Die Triebe wollen aber gehegt und gepflegt werden.

Der Direktor des Österreichischen Weinbauverbandes Josef Glatt freute sich besonders über die "im Vergleich zu früheren Jahren heuer ausreichend gegebene Winterfeuchtigkeit", die für die Weinbauregionen Niederösterreich und Burgenland besonders wichtig seien, da es in der Steiermark mehr Niederschlag gebe. "Die Winterfeuchtigkeit wirkt sich bis in den Spätsommer hinein aus", so Glatt. Denkt man etwa an den vergangenen Sommer, der in Nordostösterreich besonders trocken ausgefallen war, sei die Feuchte besonders positiv. "Ganz wichtig im Hinblick auf Menge und Qualität der Lese wird dann natürlich noch das Wetter rund um die Weinblüte", so Glatt.

Die Obstbäume seien in der Winterruhe geblieben, weil es noch keine warmen Perioden gegeben habe, bekräftigte Wolfgang Mazelle, Obstbaudirektor in der Landwirtschaftskammer Steiermark. Die Wasserversorgung sei auch für die Bäume der heimischen Obstbauern positiv zu beurteilen. Derzeit beginne der Saftstrom in den Bäumen, "es gibt aber immer noch keine Gefahr", sagte er heute. Auch Mazelle meinte, wenn bald der "explosionsartige Start" des Wachstums erfolgt, "wird die Arbeitsbelastung für die Obstbauern groß, aber natürlich machbar".