Erstellt am 28. Juli 2013, 11:02

Kaeser soll Löscher als Siemens-Chef folgen. Der Siemens-Aufsichtsrat hat sich laut Insidern mit klarer Mehrheit auf die Absetzung des aus Österreich stammenden Konzernchefs Peter Löscher und die Berufung von Finanzchef Joe Kaeser als seinen Nachfolger verständigt.

Siemens wollte dazu am Sonntag keine Stellungnahme abgeben. Formell müssen die Personalien bei der nächsten regulären Sitzung des Gremiums am Mittwoch noch beschlossen werden.

Löscher war nach der zweiten Gewinnwarnung innerhalb von nicht einmal drei Monaten am vergangenen Donnerstag massiv unter Druck geraten. Am späten Samstagabend hatte Siemens nach Marathon-Beratungen der Aufsichtsräte bekannt gegeben, dass ein Wechsel an der Vorstandsspitze anstehe und am Mittwoch beschlossen werden solle. Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" berichtete unterdessen, Siemens-Chefaufseher Gerhard Cromme sei mit dem klaren Willen zu den Beratungen angereist, Löscher zum Rücktritt zu zwingen.

Der Villacher habe aber gekämpft. Noch am Freitag hatte Löscher wissen lassen, dass er nicht kampflos aufgeben will. "Mir bläst jetzt der Wind ins Gesicht, aber es war noch nie meine Art, aufzugeben oder schnell die Segel zu streichen", sagte der Manager der "Süddeutschen Zeitung". "Ich habe einen Vertrag bis 2017, und gerade jetzt ist der Kapitän bei Siemens mehr gefragt denn je."

Siemens-Chefaufseher Gerhard Cromme hatte Löscher 2007, mitten im Strudel des milliardenschweren Schmiergeld-Skandals, an die Konzernspitze geholt. Damals galt er als Hoffnungsträger, doch kämpfte er immer wieder mit Problemen wie zuletzt mit Konjunkturflaute, einer nachlassenden Wachstumsdynamik in Schwellenländern wie China sowie teuren, hausgemachten Projektpannen. Dazu gehören die verspätete Lieferung von ICE-Zügen an die Deutsche Bahn und Verzögerungen bei der Anbindung von Nordsee-Windparks.