Erstellt am 30. Januar 2013, 00:00

Kampf dem Pfusch. Kontrollgipfel /  Experten setzten sich in der Wirtschaftskammer mit unfairem Wettbewerb auseinander. Jetzt soll es mehr Kontrollen geben.

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Von Wolfgang Millendorfer

Auch wenn die Einstellung gegenüber dem „Pfuschen“ in Österreich laut aktueller Studie eine kulante ist – die Unternehmen leiden darunter besonders und verlieren Jahr für Jahr lukrative Aufträge. Bis zu 450 Millionen Euro sollen der heimischen Wirtschaft heuer damit entgehen, schätzt man in der Wirtschaftskammer.
Dort hat man dem unfairen Wettbewerb – auch in Zusammenhang mit der Arbeitsmarktöffnung – nun
verstärkt den Kampf angesagt.

Im Rahmen des zweiten Kontrollgipfels diskutierten Finanzpolizei, Arbeitsinspektorat, Bezirksverwaltungsbehörden, Bauwirtschaft, Krankenkasse und Arbeiterkammer kürzlich in Eisenstadt über Maßnahmen gegen Lohn- und Sozialdumping.
Seit der Arbeitsmarkt im Mai 2011 für ausländische Firmen geöffnet wurde, soll ein entsprechendes Gesetz derartige Dumpingpreise verhindern. Rigorose Kontrollen verlangt in diesem                               

Bereich auch die Politik. Und die nimmt Wirtschaftskammer-Präsident Peter Nemeth jetzt in die Pflicht: Neben strengeren Strafen – etwa bei fehlenden Lohnunterlagen – wird unter anderem eine „breitere Achse“ von Behördern gefordert. Was die schwarzen Schafe angeht, haben sich bei zahlreichen Kontrollen übrigens auch heimische Firmen als solche herausgestellt.
In Sachen klassischer Pfusch setzt die Wirtschaftskammer auf Aufklärung, denn, so Nemeth: „Das Niveau des Unrechtsbewusstseins ist in Österreich besonders tief angesiedelt.“

Zahlen & Fakten
• Laut Studie des Volkswissenschaftlers Friedrich Schneider sind 44 Prozent der Österreicher beim Thema Pfusch nachsichtig. Für 31 Prozent ist es in Ordnung, selbst der Schwarzarbeit nachzugehen.
• Heuer wird die Schattenwirtschaft in Österreich auf rund 19,32 Milliarden Euro geschätzt.