Erstellt am 13. April 2012, 12:15

Kaufkraft wächst heuer um 0,6 Prozent. Die Österreicher müssen trotz des von der Regierung verordneten Sparpakets heuer den Gürtel nicht enger schnallen:

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Weil die Arbeitslosigkeit nach wie vor relativ gering bleibt und die Lohnabschlüsse für die Arbeitnehmer recht günstig ausgefallen sind, wird die durchschnittliche Kaufkraft in Österreich heuer real um 0,6 Prozent wachsen. Das hat das Marktforschungsunternehmens RegioData Research berechnet. Nominell soll die Kaufkraft heuer um 2,9 Prozent steigen. In absoluten Zahlen bedeutet das für jeden Österreicher im Durchschnitt ein Plus von fast 500 Euro im Vergleich zur Kaufkraft von 18.825 Euro im Vorjahr.

Die reichsten Bezirke liegen - wenig überraschend - in Wien und Umgebung: In der Inneren Stadt in Wien beträgt die Kaufkraft pro Einwohner heuer 39.566 Euro, es folgen mit deutlichem Abstand Wien-Hietzing, dort sind es 25.460 Euro und in Döbling 24.423 Euro. Unter den Top 10 sind neben Wiener Bezirken auch Mödling (24.055 Euro), Eisenstadt (23.022 Euro) und Wien-Umgebung (22.940 Euro). Die Kaufkraft bezieht sich jeweils auf das verfügbare Jahreseinkommen nach Abzug von Steuern, Sozialversicherung usw.

Dabei hat das Burgenland auch im Vorjahr deutlich gegenüber Wien aufgeholt. Mit 3,7 Prozent nominellem Wachstum hatte das Burgenland 2011 den stärksten Kaufkraftzuwachs. Das östlichste Bundesland hat sich jahrzehntelang mit Kärnten immer wieder den letzten Platz geteilt. Nun liegt es im Bundesländer-Ranking vor Kärnten und der Steiermark. Im Jahr 1990 lagen die Kaufkraftunterschiede zwischen Wien und dem Burgenland bei 37 Prozent, jetzt sind es nur noch 9 Prozent. Dieser Unterschied werde sich aber nicht weiter verringern, heißt es in der Analyse von RegioData. Das Burgenland hat vor allem von der Nähe zu Wien profitiert, viele Pendler wohnen im nördlichen Burgenland und arbeiten in Wien.

"Natürlich werden bestimmte Gruppen durch die beschlossenen Sparmaßnahmen weniger Geld haben", räumt der Pressesprecher von RegioData Research, Mark Ruhsam, ein. So werde eine Vermögenszuwachssteuer für Immobilien, eine "Solidarabgabe" für Besserverdiener oder eine Nulllohnrunde für Beamte und Pensionisten Einkommensverluste für die betroffenen Gruppen bringen.

In Summe betrachtet würde die Kaufkraft in Österreich jedoch nur dann sinken, wenn es massive Lohnkürzungen in der Privatwirtschaft oder eine deutlich steigende Arbeitslosigkeit gäbe. "Damit die nominelle Kaufkraft in Österreich zurückgeht, bräuchte es Einsparungen, die insbesondere die Löhne der unselbstständig Beschäftigten massiv betreffen bzw. ein starkes Ansteigen der Arbeitslosigkeit", erklärt Ruhsam. Denn die Einkommen der rund 3,7 Millionen unselbstständig Beschäftigen stellen das Gros des gesamten Kaufkraftvolumens von rund 158 Mrd. Euro dar. Die neuen Spar- und Steuerpakete enthalten jedoch keine Maßnahmen, die sich besonders negativ auf auf diese Mehrheit auswirken würden.