Erstellt am 12. Februar 2013, 14:01

KFV-Projekt testet Alkolocks. Ein Pilotprojekt des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV) testet seit Mitte des Vorjahrs, inwieweit sogenannte Alkolocks dazu geeignet sind, Alkolenker zu rehabilitieren.

APA7204880-2 - 13032012 - WIEN - …STERREICH: Ein Mann bläst in ein elektronisches Alkolock-Gerät, das die Zündung außer Kraft setzt, wenn der Fahrer unter Alkoholeinfluss steht (Archivbild vom 18.10.2010). "Alkolocks" sind ins Auto eingebaute Testgeräte, die verhindern, dass ein Fahrzeug von einem alkoholisierten Lenker in Betrieb genommen werden kann. Künftig sollen auch Schulbusse mit einem solchen Gerät ausgestattet werden. APA-FOTO: HERBERT PFARRHOFER  |  NOEN, HERBERT PFARRHOFER (APA)
Diese Geräte verhindern das Zünden des Motors, wenn der Lenker alkoholisiert ist. Pkw-Lenker können sich in Fällen, wo ansonsten ein Führerscheinentzug infrage kommt, freiwillig für diese Alternative mit "Schwerpunkt Bewährung" entscheiden, sagte Armin Kaltenegger, Leiter der KFV-Rechtsabteilung am Dienstag. Ziel ist es "eine Spirale der Wirkungslosigkeit" in diesem Deliktfeld zu durchbrechen und so die Gesellschaft zu schützen.

Rund 30 Teilnehmer in ganz Österreich, darunter auch solche, die bereits wieder im Besitz ihres Führerscheins sind, sind in das vom Verkehrsministerium (BMVIT) finanzierten Projekt involviert. Für dieses Unterfangen lieferte Kaltenegger einige Gründe: "Jeder vierte Verkehrsteilnehmer, der alkoholisiert angehalten wurde, fährt auch ohne Führerschein weiter. Die Wahrscheinlichkeit dabei erwischt zu werden ist gering".

Weitere Fakten des KFV lassen an der Effektivität einer Führerscheinabnahme zweifeln: 100.000 "Schwarzfahrten" gäbe es pro Jahr, was statistisch gesehen wiederum zehn Personen pro Stunde bedeutet, die alkoholisiert und ohne Führerschein unterwegs sind.

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Kaltenegger zog aus diesen Zahlen ein klares Fazit: "Die Gesellschaft ist nicht ausreichend geschützt". Nicht zuletzt auch deswegen, da im Schnitt jeder getötete Alkolenker im Schnitt einen Unschuldigen mit in den Tod nehmen würde. Mit den Alkohol-Interlocks, also der Alkoholwegfahrsperre, soll das Übel sozusagen an der Wurzel gepackt werden. Sozialarbeiter als Mentoren sollen dabei mithelfen, aus dem einstigen Alkolenker wieder einen verlässlichen Verkehrsteilnehmer zu machen. Kaltenegger betonte, dass es sich dabei um eine zusätzliche Maßnahme handeln soll - alle bis jetzt vorgesehenen Konsequenzen bei Alkohol am Steuer sollen aufrecht bleiben. Die Freiwilligen müssen die Kosten des Alkolock-Einbaus von rund 1.100 Euro im übrigen selbst übernehmen.

"Erste konkrete Ergebnisse werden im April vorliegen", so der KFV-Experte. Schon jetzt habe sich der Alkolock-Einsatz als extrem sicher gegen Manipulationen erwiesen. Zusammen mit der Effektivität der Maßnahme und der Annahme bei den Kunden soll das Pilotprojekt nach Abschluss ein Setting ergeben, wie die Alternative "Alkolock" ins Maßnahmensystem implementiert werden kann.

Das derzeit in Wien, Niederösterreich, Kärnten und der Steiermark laufende Projekt ist nicht das erste auf Österreichs Straßen. Von September 2011 bis Februar 2012 wurden die Geräte auf Betreiben des Verkehrsministeriums in Kooperation mit dem Fachverband für Güterbeförderung in 31 Lkw eingebaut und getestet. Die Ergebnisse seien "sehr vielversprechend", bilanzierte Verkehrsministerin Doris Bures (S) im März 2012.

Von der von Bures damals angekündigten Bundesförderung der Alkolocks für Frächter - die ersten 100 mit 50-prozentiger Finanzierung aus dem Verkehrssicherheitsfonds - sind bis dato noch keine Gelder geflossen, sagte Peter Tropper vom Fachverband Güterbeförderungsgewerbe in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) auf Anfrage. Es gelte noch interne Probleme zu klären wie etwa den Datenschutz. Ohnehin würde man dies als ausschließlich freiwillige Maßnahme sehen.

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