Erstellt am 25. September 2012, 14:23

KMU erwarten steigende Umsätze und höhere Gewinne. Österreichs Klein- und Mittelbetriebe - davon gibt es über 300.000 - sehen sich für die Zukunft gut gerüstet.

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Zwei Drittel erwarten in den kommenden Jahren steigende Umsätze, mehr Kunden und auch höhere Gewinne. Die Hälfte der KMU ist der Ansicht, dass es ihnen wirtschaftlich besser geht und gehen wird als dem Rest der Branche. In den kommenden drei bis fünf Jahren wollen sie vorwiegend in die Modernisierung des Betriebes, in Kooperationen und die Aufstockung von Mitarbeitern investieren, so das Ergebnis einer von der Erste Bank bei IMAS in Auftrag gegebenen Studie.

"Das ist ein sehr erfreulicher Ausblick für die österreichischen KMU", sagte Peter Bosek, Privat- und Firmenkundenvorstand der Erste Bank, am Dienstag in Wien bei der Präsentation der repräsentativen Studie. Das Meinungsforschungsinstitut hat dazu österreichweit im Juni bei Betrieben mit Umsätzen zwischen 1,5 bis 175 Mio. Euro 900 Telefoninterviews durchgeführt. Pro Bundesland wurden 100 Firmen - vor allem ihre Geschäftsführer - befragt. Demnach sind die KMU in Wien, Tirol und Vorarlberg besonders zuversichtlich, am pessimistischsten ist man im Burgenland. Laut KMU Forschung standen 2010 die 307.700 KMU für 63 Prozent der Umsätze, 67 Prozent der Beschäftigten und 99,7 Prozent der Unternehmen Österreichs.

Befragt nach ihren Investitionsplänen steht an erster Stelle die Abdeckung der laufenden Kosten, gefolgt von Investitionen in die Kundengewinnung und in Modernisierungen. Danach erst folgen Rationalisierungsmaßnahmen sowie Investitionen in Forschung & Entwicklung.

Im Vergleich zu den Umfrageergebnissen aus dem Vorjahr wollen die KMU-Geschäftsleiter diesmal stärkeres Augenmerk auf Modernisierungen und Rationalisierungen legen - vor allem kleinere KMUs mit Umsätzen bis 5 Mio. Euro tendieren in diese Richtung, während größere eher mehr Wert auf die Kundengewinnung legen wollen. 36 Prozent der KMU gaben an, im laufenden Jahr zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen zu haben.

Nur rund ein Viertel der Betriebe will ihren künftigen Finanzierungsbedarf über einen Bankkredit abdecken, das sind um 2 Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr. Bei größeren Betrieben sind es 32 Prozent. Je nach Unternehmensgröße und Geschäftsmodell variiert der Kreditbedarf. Für 49 Prozent der KMU liegt er unter 500.000 Euro, für 45 Prozent darüber. Das Geld würden die Manager in erster Linie zur Modernisierung ihrer Betriebe (66 Prozent) einsetzen. Erst mit deutlichem Abstand folgt die Kundengewinnung (16 Prozent). Stärker als im Vorjahr wird auch über Rationalisierungsmaßnahmen nachgedacht. Selbst die Eigenmittel stärken kommt für 45 Prozent in Frage.

Von ihrer Hausbank erwarten sich die Betriebsleiter vor allem Sicherheit für ihre Einlagen (68 Prozent), eine rasche und unbürokratische Abwicklung (64 Prozent) sowie gute Konditionen und Kreditzinsen (63 Prozent). Für 61 Prozent der Befragten ist auch die Möglichkeit, ihre Bankgeschäfte online über das Internet abwickeln zu können, von großer Bedeutung.

Konkret mit der Erste Bank zeigen sich die Befragten vor allem in Bezug auf Freundlichkeit und den angebotenen Online-Lösungen zufrieden. Am wenigsten zufrieden sind sie dagegen mit den angebotenen Konditionen und Kreditzinsen. Firmen- und Privatkundenvorstand Peter Bosek kann dies nachvollziehen: "Es stimmt, die Kreditinstitute sind in den letzten zwei Jahren teurer geworden". Er führt dies auf die strengeren Eigenkapitalregimes zurück. "Die Banken sind gezwungen, Eigenkapital aufzubauen, das verlangt höhere Margen", so Bosek. Im Schnitt liege derzeit ein Firmenkredit 200 Basispunkte über dem Euribor, vor vier Jahren seien dies nur 125 Basispunkte gewesen. Generell habe sich die Kreditnachfrage in den letzten Jahren kaum verändert. Je kleiner ein Unternehmen, desto eher gebe es einen Bedarf.

Der Wettbewerb unter den heimischen Banken um Firmenkunden werde auch nach dem Rückzug bzw. den geplanten Redimensionierungen bei BAWAG und ÖVAG nicht geringer werden. In der jetzigen Situation brauche man aber nichts zu kaufen. "Ich bin ein Freund des organischen Wachstums, die Kunden kommen auch so", meinte Bosek.