Erstellt am 22. November 2012, 13:13

KMU-Steuerbelastung in Österreich recht hoch. Die heimischen Klein- und Mittelbetriebe klagen offenbar zu Recht über ihre Steuerlast. Laut einer Studie des Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungskonzerns PwC rangiert Österreich unter 185 Staaten weltweit nur auf Platz 77 - und in der EU auf einem hinteren Platz.

WKÖ-Vizepräsident Fritz Amann sieht die Ergebnisse der Expertise "Paying Taxes 2013" als neuerlichen "Warnschuss" an die Regierung.

Laut PwC liege die Steuerlast eines heimischen "Modell-KMU" spürbar über dem EU- bzw. EFTA-Schnitt. Anhand eines "Modell-KMU" errechnet die Studie nämlich eine Abgabenlast auf Unternehmensgewinne von 53,1 Prozent, womit Österreich auf Platz 26 von 30 EU- bzw. EFTA-Staaten zu liegen komme, kritisierte Amann am Donnerstag. In diesen beiden Länder-Gruppen schneiden nur Belgien, Frankreich, Estland und Italien schlechter ab, wie das "WirtschaftsBlatt" am Donnerstag berichtete.

Die durchschnittliche Gesamtbelastung eines "Modell-KMU" liege laut PwC in den EU- und EFTA-Staaten bei 42,6 Prozent und sei damit um 8,7 Prozent geringer als in Österreich, so Amann. Speziell die Lohnnebenkosten seien ein "gewaltiger Brocken". Laut PwC-Berechnung lägen sie bei 34,7 Prozent.

Zum Vergleich: Beim Nachbarn Deutschland komme ein Modellunternehmen auf eine Steuer- und Abgabenbelastung von insgesamt 46,8 Prozent, die Lohnnebenkosten würden 21,9 Prozent betragen. Im Gesamt-Ranking lande Österreich auf dem bescheidenen 77. Platz, fünf Plätze hinter Deutschland.

Zeit ist Geld - das findet auch PwC. Um die weltweiten Steuersysteme vergleichen zu können, wurden neben der gesamten Steuerbelastung (Total Tax Rate) auch zwei andere Faktoren einbezogen: die Anzahl der Steuerzahlungen sowie die Zeit, die man für den Verwaltungsaufwand der Steuern benötigt - inklusive Wartezeiten auf Ämtern und das Ausfüllen von Formularen. In beiden Bereichen rangiert Österreich im Mittelfeld, so das "WirtschaftsBlatt". Doch es gibt auch Ausreißer: In Bulgarien liegt Total Tax Rate der KMU weit unter dem EU-Schnitt, während die Fütterung des Amtsschimmels beachtliche 454 Stunden in Anspruch nimmt - in Österreich 170 Stunden.