Erstellt am 04. Februar 2015, 10:16

von Markus Stefanitsch

Knausz: Ein Macher mit Herz. Der ARA-Chef über seinen beruflichen Erfolg, seine prägende Kindheit in Minihof-Liebau und warum seine erste Wohnung beinahe sein schulisches Grab war.

Ein Südburgenländer mit Handschlagqualität: Werner Knausz ist als ARA-Vorstand einer der Top-Manager in Österreich. Foto: Werner Müllner  |  NOEN, Werner Müllner
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Werner Knausz ist das, was man salopp als „Checker und Macher“ bezeichnen kann. Offen, hemdsärmelig, geradlinig, immer ein Lächeln auf den Lippen – und wenn es hart auf hart geht, ein beinharter Verhandler.

Abseits des Geschäfts aber immer ein Herz und vor allem Ohr für seine Mitarbeiter und verschiedenste Sozialprojekte. So beschreiben seine Geschäftspartner und Freunde den 55-jährigen Chef der größten österreichischen Recyclingfirma, der Altstoff Recycling Austria („ARA“).

Vor allem bekannt und beliebt ist Werner Knausz für sein schier unerschöpfliches Repertoire an Witzen.

Eltern haben meist rund um die Uhr gearbeitet

„Schmähstad'“ selbst war der gebürtige Südburgenländer sein ganzes Leben lang nicht. Aufgewachsen beim Dreiländereck in Minihof-Liebau, verbrachte Werner Knausz eine aufregende Kindheit, wo auch viele Lausbubenstreiche am Programm standen.

Von eingeschossenen Fensterscheiben bis hin zu witzigen Erlebnissen im Wirtshaus an der Grenze war da alles dabei. In dieser Zeit lernte Werner Knausz auch, was arbeiten heißt: „Ich bin ja zum Großteil von meiner Großmutter erzogen worden, weil meine Eltern ja fast rund um die Uhr gearbeitet haben“, erinnert sich Knausz im Gespräch mit der BVZ.

„Nur gute Leute suchen gute Leute“

In der Zeit war es auch ganz normal, dass man schon als Kind im elterlichen Betrieb mitgearbeitet hat. Diese Erfahrungen weiß er auch heute noch zu schätzen und setzt sie selbst bei der Mitarbeiter-Suche ein. Für den ARA-Chef sind die Mitarbeiter nämlich das wertvollste Kapital und eine der wichtigsten Aufgaben im Management („Nur gute Leute suchen gute Leute“). Landkinder seien, so Knausz, im Vorteil.

Da man am Land noch eher mitbekommt, was arbeiten heißt. Er hätte seinem Sohn in der Wiener Wohnung maximal zeigen können, „wie ich drei Mal den Geschirrspüler ein- und ausräume. Aber körperliche Arbeit, wie in meiner Kindheit, sehen die meisten Jungen heute nicht mehr.“

Daher achtet er als Chef bei Bewerbungsunterlagen etwa, ob der Bewerber in einem elterlichen Betrieb mitgeholfen oder viele Ferialjobs gemacht hat. Da kann man dann davon ausgehen, dass „die wissen, was arbeiten heißt.“ Derartige Faktoren oder Empfehlungen von guten Freunden sind ihm viel „wichtiger als lauter 1er-Zeugnisse.“

Seine Heimat hat er nie vergessen

Er selbst war nicht immer ein Musterschüler. Denn als er in seiner Zeit in der HTL in Pinkafeld seine erste eigene Wohnung bekommen hat, war es vorbei mit den vielen Einsern im Zeugnis. In den letzten beiden HTL-Jahren verschlechterten sich die Noten derartig schnell, wie die Fehlstunden in die Höhe schossen.

Dennoch war die Matura keine Hürde und das weitere Studium verhinderte im Endeffekt der erste Job. Als Projektmanager im Industrieanlagenbau verdiente er bereits früh gutes Geld und kletterte früh die Karriereleiter hinauf (siehe Lebenslauf unten).

Bei all seinen Erfolgen vergisst Werner Knausz aber nie seine Heimat. Im Gegenteil: Obwohl er seit 36 Jahren in Wien lebt, bezeichnet er sich heute noch als Burgenländer.

„Lieber an Kropf, als Ungarisch lernen“

In gesellschaftlichen Kreisen wird er oft auf seinen steirischen Dialekt angesprochen. Dafür hat er eine einfache, wie lustige Erklärung: „Dort, wo ich herkomme, ist das Burgenland nur sieben Kilometer breit. Ich musste mich in jungen Jahren schon entscheiden, ob ich Ungarisch lerne oder einen Kropf kriege. Da Ungarisch brutal schwer ist, hab‘ ich mich für den Kropf entschieden.“

Mit der Entwicklung des Burgenlandes zeigt sich Knausz aus der „Entfernung“ durchaus zufrieden. Aber einen Wunsch hätte der Top-Manager schon noch an seine Burgenländer. Neben aller Herzlichkeit und Freundlichkeit vermisst er in manchen Bereichen noch den letzten Funken an Professionalität. Nur mit „tua ma scho und moch ma scho“ gewinnt man heutzutage nichts mehr. Man brauche schon gute Konzepte mit Zahlen und Fakten.

Minihof-Liebau als künftige Option

Wie sein persönliches Zukunfts-Konzept aussieht, steht noch in den Sternen. Da die Monopol-Stellung der ARA mit Jahresanfang gefallen ist, heißt es jetzt den Umsatz mit anderen Projekten zu halten. Keine leichte, aber für den „Macher“ Knausz sicher lösbare Aufgabe. Was danach kommt, lässt er gelassen offen.

Er kann sich aber vorstellen, in einigen Jahren wieder in das frisch renovierte Elternhaus in Minihof-Liebau, wo jetzt noch seine Mutter lebt, zurückzukehren. Und nachdem er ja viel Schmäh versteht, wird er sicherlich schmunzeln, wenn ihm der Job als Südburgenland-Manager angeboten wird – falls es die Funktion dann noch/schon gibt.

Zur Person: Werner Knausz

Werner Knausz wurde 1959 in Minihof-Liebau geboren, er hat einen 32-jährigen Sohn. Nach der HTL Pinkafeld stieg er als Konstrukteur im Apparate- und Industrieanlagenbau (SGP AG) ins Berufsleben ein.

Stationen seines beruflichen Lebens waren eine Seifenfabrik in Algerien, EBS in Wien, AVR in Rotterdam und die ARO GmbH.

Seit 2008 ist er Vorstand der ARA AG. 1998 wurde er als Umweltmanager des Jahres ausgezeichnet, 2004 wurde ihm das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen.