Erstellt am 04. Dezember 2012, 13:10

Konjunktur in Bundesländern unterschiedlich. Die Wirtschaft der einzelnen Bundesländer wächst und schrumpft nicht gleichzeitig. Allerdings hält die Entkoppelung von der gesamtösterreichischen Entwicklung nicht sehr lang.

Das zeigt eine am Dienstag veröffentlichte Wifo-Studie. Kein Bundesland konnte sich längere Zeit einer Konjunkturwende entziehen, keines wuchs oder schrumpfte dauerhaft früher oder später als alle anderen.

Die Ursache für die asynchrone Entwicklung sieht Studienautor Jürgen Bierbaumer-Polly in der Wirtschaftsstruktur der einzelnen Bundesländer. Während etwa in Oberösterreich 30 Prozent der Wertschöpfung auf die Sachgütererzeugung entfallen, sind es in Wien nur 10 Prozent, österreichweit 20,5 Prozent. In Tirol werden 13 Prozent der Bruttowertschöpfung im Beherbergungs- und Gaststättenwesen, also im Tourismus erwirtschaftet, im Österreichschnitt sind es nur 4,7 Prozent. Im Burgenland macht die Bauwirtschaft 10,3 Prozent der Bruttowertschöpfung aus, in Österreich 7,1 Prozent.

Die industrielastigen Bundesländer seien besonders schnell von internationalen Entwicklungen abhängig, so die Studie. Vor allem Oberösterreich und Vorarlberg schwankten im Untersuchungszeitraum 1996 bis 2011 praktisch im Gleichklang mit der gesamtösterreichischen Entwicklung. Burgenland, Wien und Kärnten hatten am ehesten ihre eigene Konjunkturkurve. Für alle lässt sich aber zeigen, dass die Hochkonjunktur 1999/2000 vom Boom in den USA und hohem Wachstum in Osteuropa getragen war. Der Abschwung danach folgte ebenfalls auf die Abkühlung der Weltwirtschaft.

Wien mit seinem hohen Dienstleistungsanteil konnte sich davon etwas entkoppeln und schaffte mitten im allgemeinen Abschwung nach 2001 eine einjährige Erholungsphase. Auch das Burgenland schaffte ein Zwischenhoch. Vermutlich haben die beiden Bundesländer in dieser Phase von ihrer besonders starken Verflechtung mit Südosteuropa und dem dortigen starken Wachstum profitiert. Über die ganze Untersuchungsperiode blieben die Ausschläge in Wien und dem Burgenland - Länder mit relativ geringem Exportanteil - deutlich weniger intensiv als in Österreich insgesamt.

In der großen Wirtschaftskrise 2008 nutzten dann allerdings die Unterschiede nichts mehr: alle Bundesländer wurden gleichzeitig mitgerissen, auch die Talsohle war in diesem Fall überall zeitgleich erreicht.

Im Schnitt dauert ein Konjunkturzyklus in Österreich etwa sieben Jahre, davon fallen zwei Drittel der Zeit auf Aufschwünge und ein Drittel auf Abschwünge. Der Rückgang der Wirtschaft mag kürzer dauern, fällt dafür auch intensiver aus, stellte Bierbaumer-Polly fest.